Wie wäre es für uns gewesen, im frühen 16. Jahrhundert zu leben, als die Frage nach dem wahren Glauben eine Entscheidung zwischen Leben und Tod war?
Wer die Haltung der "Wehrlosigkeit", wie sie die Bergpredigt lehrt (rechte Backe, linke Backe) ernstnehmen will, muss sich auch mit sehr schwerwiegenden Fragen auseinandersetzen. Wie ist es, wenn Deine Familie bedroht wird und Du könntest sie verteidigen - gilt dann das Wort des Herrn "Leistet dem Bösen keinen Widerstand" (Matthäus 5,39) immer noch? Wer noch über die Gewissensprüfung zum Zivildienst zugelassen wurde, kennt diese Fragen. Die herausforderndsten Antworten geben jene, die in letzter Konsequenz dem Wort des Herrn entsprechen wollten. Hier steht das Leben (bzw. der Tod) hinter den Worten. Ein Beispiel ist die Haltung der Familie Hostetler in den Französisch-Indianischen Kriegen im 18. Jahrhundert. Diese Dokumentation von Dean Taylor und Mike Atnip führt uns an die Schauplätze der Begebenheit und in das Wort Gottes.
In den Bibelstunden gehen wir unter anderem die Bergpredigt durch. Das Thema letzten Mittwoch war das Schwören von Eiden, und ein Apsekt in diesem Thema ist der Fahneneid. Die Frage, die mich in der Vorbereitung besonders interessierte, war, ob und wie man von einem bereits geleisteten Fahneneid entbunden werden könnten. Nach mehreren Telefonaten mit der Militärseelsorge und dem Verteidigungsministerium erhielt ich eine interessante Antwort. In einem Brief fasste ich das Ergebnis für meine telefonischen Gesprächspartner zusammen (auch als PDF im Anhang):
Betreff: Entbindung vom Fahneneid und weitere Implikationen
Sehr geehrte Herren Herr Mag. Werner. Mitarbeiter der Militärseelsorge, und des Intituts für Religion und Frieden, insb. Herr Dr. Gehrhard Marchl
Die sogenannten "Falkensteiner Lieder" sind von gefangenen Brüdern und Schwestern 1540 auf der Burg Falkenstein im Weinviertel gedichtet und gesungen worden. Die Burg ist zur Ruine verfallen, ihre Verfolger sind vergessen; doch die Nachfahren dieser Geschwister singen ihre Lieder noch heute. In beiliegendem PDF habe ich die 19 Seiten aus dem Liederbuch der Hutterischen Brüder eingescannt, die diese Erinnerungen enthalten: Die Falkensteiner Lieder (PDF)
Die Bergpredigt ist das Stück des christlichen Glaubens, um das uns praktisch alle Religionen beneiden; selbst wenn man nur die Seligpreisungen kennt, so weiß man, dass dieses Lehrstück unseres Herrn Jesus durchdrungen ist von Sanftmut und Friedfertigkeit.
Mt 5,5: Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.
Mt 5,9: Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.
Alleine diese beiden Texte erlauben es einem Menschen nicht, Gewalt anzuwenden oder an Kriegen als Teil einer Kriegspartei teilzunehmen. Das wird weiter deutlich, wenn man andere Stellen der Bergpredigt hinzunimmt: