Predigt über das gemeinsame Essen (Versammlung in Inzersdorf, 5.4.2009)

Über das gemeinsame Essen (WAV)

Ein Begriff, der bereits im NT für das gemeinsame Essen geprägt wurde ist "Agape" (vgl. Judasbrief, Vers 12), der "Liebe" bedeutet und dort meist mit "Liebesmahl" wiedergegeben wird. Der Gedanke, dass es in einem christlichen Gottesdienst nicht nach Weihrauch, sondern nach Knoblauch duftet (oder anderen Küchengerüchen), ist uns vielleicht fremd; aber er ist biblisch und verdient allein deshalb unsere besondere Aufmerksamkeit. Um 200 gibt uns Tertullian eine Beschreibung der Agape, die ganz gut zeigt, wie es in neutestamentlicher Zeit gewesen ist:

Tertullian über die Agape

(Apologeticum, Kp 39; um 197 n.Chr.)


Unser Mahl gibt durch seinen Namen schon sein Wesen und seine Bestimmung an; es trägt den Namen, womit man im Griechischen die Liebe bezeichnet (Agape). Wie teuer es auch kommt, ein Gewinst ist es, im Namen der Frömmigkeit Aufwand zu machen, zumal da wir die Dürftigen mit jener Erholung erquicken, nicht in der Weise, wie bei euch die Schmarotzer nach der Ehre begierig sind, ihre Freiheit in Sklaverei zu verwandeln, um den Lohn, dass sie unter Beschimpfungen ihren Bauch füllen dürfen, sondern deswegen, weil bei Gott das Ansehen der Niedrigen größer ist. Wenn die Veranlassung des Mahles schon eine ehrbare ist, so beurteilt auf Grund derselben die Zucht, die beim ganzen Verlauf desselben herrscht. Was zu den religiösen Pflichten gehört, das duldet keine Gemeinheit und keine Unsitte. Man geht nicht eher zu Tisch, als bis man des Gebetes zu Gott verkostet hat, man isst so viel, als Hungrigen genügt, man trinkt so viel, als züchtigen Leuten dienlich ist. So sättigen sie sich wie Leute, die nicht vergessen, dass sie auch in der Nacht Gott anbeten müssen; so unterhalten sie sich wie Leute, die wissen, dass Gott es hört. Wenn die Hände gewaschen und die Lichter angezündet sind, wird jeder aufgefordert, vorzutreten und Gott Lob zu singen, wie er es aus der. Heiligen Schrift oder nach eigenem Talente vermag; daran erkennt man, wie er getrunken hat. Ebenso bildet das Gebet den Schluss des Mahles. Von da geht man auseinander, nicht um sich zu Keilereien zusammenzurotten, nicht um in hellen Haufen herumzuschwärmen, noch zu den heimlichen Schlichen der Liederlichkeit, sondern zu der früheren Sorge für Sittsamkeit und Keuschheit, wie Leute, die nicht so sehr ein Mahl, als vielmehr eine Lehre verkostet haben. Das ist die Zusammenkunft der Christen.