Gott meint es gut mit uns. Wäre es nicht so, dann bräuchten wir gar nicht auf Ihn zu vertrauen, sondern könnten Ihn ebenso gut ignorieren oder gar hassen. Wenn wir schon verdammt sind in Seinen Augen, dann könnten wir genauso gut unsere hoffnungslose Gottferne in dieser Welt auskosten, um wenigstens in diesem Leben etwas vom Leben zu haben.
Aber allein die Tatsache, dass es Freude in der Welt gibt, die Gott geschaffen hat, sollte uns zu denken geben. Ein Gott, der Freude zulässt und uns mit – genauso genommen – unauslotbarem Wohlwollen begegnet, kann uns eigentlich nicht wirklich feindselig gegenüber stehen. Allein, dass die Sonne scheint und uns wärmt, der Regen fällt und das Land fruchtbar macht, dass Blumen süß duften und die laue Spätsommerbrise uns angenehm durchs Haar streicht ist Ausdruck der vielfältigen Güte Gottes.
Dabei flüchten wir nicht vor den ebenso zahlreichen Schwierigkeiten, Schmerzen und Traurigkeiten, mit denen wir in diesem Leben konfrontiert sind. Gerade in diesen aber können wir eine Seite Gottes kennen lernen, die uns zeigt, dass Gott diese Dinge nicht etwa zulässt, weil Er ein Januskopf ist, der einmal gut und einmal böse ist; der uns einmal liebt und das nächste Mal hasst. Er ist ein Gott des Trostes.
„Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott.“ (Jes 40,1)
Es geht mir hier gar nicht darum, warum Gott das Leid zulässt. Nur ganz kurz vielleicht: Ein Teil des Leides hat mit unserem freien Willen zu tun. Wir können einander Gutes und auch Böses tun – wir leiden oft aneinander, sind selbst Ursache des Leidens für andere. Wir sterben aufgrund unserer Sünden, was eigentlich ein Segen ist: Der Tod beendet die Tyrannei des Tyrannen ebenso wie das unentrinnbare Leiden unter der Hand eines Tyrannen. Er beendet unheilbare Krankheiten, und führt dazu, dass wir unser Leben im Licht des Todes zu beurteilen lernen:
„So lehre uns denn zählen unsere Tage, auf daß wir ein weises Herz erlangen!“ (Ps 90,12)
Der Tod ist auch unparteiisch, denn er trifft alle Menschen. Er kommt über Naturkatastrophen oder durch Menschen herbeigeführte Katastrophen; er kommt aber auch durch Gottes Gericht. Der Tod ist eigentlich Gottes Gericht und Ausdruck des Zornes, heißt es in demselben Psalm – und doch will Gott uns trösten. Der Trost relativiert also den Zorn und mildert ihn.
Wenn wir als Ursache des Leides also generell die Sünde sehen, dann wissen wir auch, dass Gott einen Ausweg aus der Sünde geschaffen hat, weil Er nicht will, dass irgendein Mensch in seiner Sünde stirbt und von Gottes Reich ausgeschlossen bleibt. Wir werden also nicht deshalb verloren gehen, weil Gott böse wäre, sondern weil wir das Böse wählen und festhalten. Gott aber geht zum Äußersten, um uns von diesem falschen Weg zurückzurufen, damit wir mit Ihm in versöhnter Gemeinschaft leben.
Darum tröstet Gott Sein Volk. Er sieht uns als Sein Volk, als zu Ihm gehörend. Er blickt auf uns mit großer Freude und Wohlwollen – das ist die eigentliche Bedeutung des Wortes Gnade. Gott hat uns lieb. Es tut gut, Seine Worte über den Trost weiter zu lesen:
„Redet zum Herzen Jerusalems, und rufet ihr zu, dass ihre Mühsal vollendet, dass ihre Schuld abgetragen ist, dass sie von der Hand Jahwes Zwiefältiges empfangen hat für alle ihre Sünden.“ (Jes 40,2)
Das ist zu unseren Herzen gesprochen. Johannes schreibt in seinem Brief, dass wenn unser Herz uns anklagt, die Liebe Gottes doch größer ist als unser schlechtes Gewissen vor Ihm:
„... dass, wenn unser Herz uns verurteilt, Gott größer ist als unser Herz und alles kennt.“ (1.Joh 3,20)
Wenn unser Herz ein trotziges und verzagtes Ding ist, das niemand verstehen kann (Jer 17,9), dann können wir daraus ableiten, dass wir unserem Herz nicht alles glauben dürfen. Aber wir dürfen unserem Gott alles glauben. Wenn Er sagt, dass unsere Schuld doppelt gesühnt ist, dann ist damit auch für den Rest eines schlechten Gewissens vorgesorgt.
Die Schuld haben wir ja auch nicht selbst tragen müssen, sondern sie lag auf Jesus zu unserem Frieden, wie es in Kp 53 desselben Buches deutlich wird. Worüber werden wir also getröstet? Über die möglichen und unerwünschten Nebenwirkungen unserer Sünde, die Gott zulässt, damit wir zum Umkehr motiviert werden. Jerusalem kam aus der babylonischen Gefangenschaft zurück, was auch eine Entsprechung für uns hat.
Ich darf so frei den Vergleich ziehen, dass der Zerbruch unserer Gemeinde einer schmerzhaften Läuterung entspricht, gewissermaßen ein babylonisches Exil, wo wir an den Flüssen unsere Harfen aufgehängt haben und kaum fähig waren, eines der Zionslieder anzustimmen (Ps 137). Doch Gott will nicht, das wir weiterhin weinen, sondern Er spricht zu unseren Herzen, dass unsere Sünden doppelt gesühnt sind. Wir dürfen also heimkehren ins Land.
Wenn unser Herz dem vielleicht nicht ganz folgen will, dann dürfen wir anhand dieses Verses wissen, dass der Trost Gottes mehr Gewicht hat als unsere Selbstvorwürfe – oder auch die Vorwürfe an die alte Gemeinde. Wenn Gott vergeben hat, dann sollen wir auch einander von Herzen vergeben, wo noch ein Rest an Bitterkeit in uns ist.
„Stimme eines Rufenden: In der Wüste bahnet den Weg Jahwes; ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!“ (Jes 40,3)
Wir kennen diesen Text aus dem Dienst Johannes des Täufers. Darum lesen wir vielleicht darüber hinweg, weil es uns zu vertraut ist. Doch, was hier steht, ist gewaltig! Wir fühlen uns vielleicht als solche, die in der Wüste oder der Steppe sitzen – und wir haben Mühe mit Aufrufen zur Freude. Doch einer ruft, dass in der Wüste und Steppe ein Weg für Jahwe gebahnt wird. Gott kommt zu uns, ehe wir uns aufmachen zu Ihm zu kommen. Er kommt uns entgegen.
Aber der Weg muss bereitet werden. Was bedeutet das? Es liegt an uns, ob die Worte des Trostes unser Herz erreichen, oder ob wir das Herz vor ihm verschließen, weil uns der vertraute Schmerz im Zweifel doch lieber ist als die noch unbekannte Freude, die verheißen ist. Das klingt dumm. Das ist es auch. Doch wenn jemand ein Leben lang in der Finsternis gesessen ist, und dann plötzlich ein großes Licht sieht, dann ist dieses Licht für’s erste sehr unangenehm und schmerzt in den Augen.
Vielleicht ist das der Grund, warum Jesus einen Blinden einmal in zwei Etappen geheilt hat, wobei er zuerst einmal nur verschwommen und erst dann klar gesehen hat (Mk 8,22-26). In gewisser Weise ist das Lesen des Alten Testaments so etwas wie der erste verschwommene Kontakt mit dem Licht, das erst im Neuen Testament in Christus offenbar wird. Und selbst Christus ist als Mensch noch ein abgeschwächtes Licht im Vergleich zu Seiner gegenwärtigen Herrlichkeit (vgl Offb 1,13-16). Nur so können wir Ihn überhaupt wahrnehmen und ertragen. Das heißt, Seine Liebe und Sein Trost ist mehr als unser Herz derzeit verkraften würde.
Darum kommt Gott auch nicht plötzlich zu uns in die Wüste, sondern wir sollen Ihm den Weg bereiten. Was das bedeutet, steht im nächsten Vers:
„Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden; und das Höckerichte soll zur Ebene werden, und das Hügelige zur Niederung!“ (Jes 40,4)
Als Maria mit Jesus schwanger war, hat sie einen Psalm gesungen, der uns verdeutlicht, was mit dieser Bildrede gemeint ist:
„Er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen, und Niedrige erhöht. Hungrige hat er mit Gütern erfüllt, und Reiche leer fortgeschickt.“ (Lk 1,52-53)
Es geht um Unterschiede zwischen den Menschen. Unterschiede in der Stellung, Unterschiede im Besitz werden vor Gott ausgeglichen. Der Täufer ermahnte die Reichen, ihren Besitz mit den Armen zu teilen. In Marias Lied geht es um das Gericht Gottes, wo Er am Ende (mit göttlicher Gewalt) für diese Gerechtigkeit sorgen wird. Beim Täufer geht es darum, dass wir diesem Handeln Gottes zuvorkommen, indem wir uns erniedrigen, wo wir zu hoch von uns denken, bzw. auch erhöhen, wo wir zu gering von uns denken.
Paulus sagt, niemand denke höher von sich, als es sich gebührt:
„Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben worden, jedem, der unter euch ist, nicht höher von sich zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern so zu denken, dass er besonnen sei, wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat. Denn gleichwie wir in einem Leibe viele Glieder haben, aber die Glieder nicht alle dieselbe Verrichtung haben, also sind wir, die Vielen, ein Leib in Christo, einzeln aber Glieder voneinander. Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben, nach der uns verliehenen Gnade.“ (Röm 12,3-6)
Wenn Gott uns Seinen Trost zuruft, dann gehe ich davon aus, dass Er Menschen anspricht, die zu gering von sich selbst und zu hoch von anderen Menschen denken. Beides ist falsch und hindert Gott daran, zu uns zu kommen.
Warum? Menschen, die wir zu groß sehen, verstellen uns den Blick auf Gott. Ebenso, wenn wir uns zu gering sehen. Beides ist eine Art Froschperspektive, wo verhältnismäßig kleine Dinge unseren Blick auf Gottes Größe verstellen.
Denken wir zu gering von uns, dann können wir uns nicht vorstellen, dass Gott uns gebrauchen kann. Mose hatte das Problem und er argumentierte so lange mit Gott wegen seiner eigenen (vermeintlichen) Unfähigkeit, dass Gott richtig zornig wurde:
„Und er sprach: Ach, Herr! Sende doch, durch wen du senden willst! Da entbrannte der Zorn Jahwes wider Mose, ...“ (2.Mose 3,13-14)
Gott hat ihn doch gesandt. Sein Zorn war nicht gegen Mose persönlich gerichtet, sondern gegen seine Minderwertigkeitsgefühle. Er hat den Menschen den Mund geschaffen – folglich kann auch Mose reden. Gott hat uns ebenso mit unseren Fähigkeiten geschaffen, folglich kann Gott auch uns gebrauchen.
Den Weg des Herrn zu bereiten bedeutet also, sich zur Verfügung zu stellen gemäß dem, wie Gott uns geschaffen hat. Wir sollen nicht zu hoch von uns denken, aber auch keineswegs zu gering.
„Hier bin ich, sende mich“, sagte Jesaja im vollen Bewusstsein, dass er ein Mensch mit unreinen Lippen ist. Das ist aber kein Problem. Um die unreinen Lippen zu beseitigen, braucht es nur eine einzige Kohle vom Altar (Jes 6,5-8). Der Altar ist voller glühender Kohlen – so groß kann unsere Sünde also gar nicht sein, dass nicht alles gesühnt werden könnte. Nicht nur einfach, sondern doppelt.
„Und die Herrlichkeit Jahwes wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird sie sehen; denn der Mund Jahwes hat geredet.“ (Jes 40,5)
Wenn wir uns in dieser Weise für Gottes Trost und Ankunft öffnen, dann wird sich die Herrlichkeit Jahwes zeigen. Nicht nur uns persönlich, sondern allen Menschen.
Warum ist das so? Weil es Gott gesagt hat, einfach deshalb. Wenn Gott einem Menschen nahe kommt, in ihm Wohnung macht, dann wird aus einem verzagten und kleinmütigen Fischer (oder anderen unscheinbaren Gestalten) ein Gesandter des lebendigen Gottes, wie Mose, der vor Pharao schließlich doch den Mund aufbrachte. Und alles Fleisch sah die Herrlichkeit Gottes.
Was das in unserem Leben konkret bedeutet, ist nicht im voraus absehbar. Uns geschehe nach unserem Glauben; aber das ist ja gerade das Spannende an der Nachfolge. Wir gehen Jesus nach, aber wissen nicht im voraus, wohin Er uns führen wird. Dieses Ungewisse gehört dazu, denn es soll uns dazu drängen, uns am Gewandzipfel des Herrn festzuhalten.
Was wir getrennt von Gott sind, sagt uns der Herr in den nächsten Versen:
„Stimme eines Sprechenden: Rufe! Und er spricht: Was soll ich rufen? "Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Anmut wie die Blume des Feldes.“ (Jes 40,6)
Was uns davor bewahrt zu hoch von uns selbst zu denken, ist unsere Sterblichkeit. Die Flüchtigkeit des Lebens wird uns hier plastisch vor Augen gemalt.
Es ist von Anmut die Rede, und wir leben in einer Zeit, in der äußere Schönheit geradezu kultisch verehrt wird. Nichts macht Gottes Werke und unseren Wert als Gottes Werk so verächtlich, wie Standards für äußere Schönheit, die Menschen nach wechselnden Moden getrieben von fleischlicher Gier aufstellen. Dass Gott uns schön findet, liegt in der Tatsache begründet, dass Er nichts Hässliches erschafft. Wunderbar sind alle Seine Werke (Ps 139)!
Und doch macht Er alles auch vergänglich, damit sich niemand seiner zeitlichen Schönheit oder Kraft rühme. Im Grunde ist all das aus der täglichen Beobachtung bestätigt.
Jesus zieht aus solchen Beobachtungen einen für uns wichtigen Schluss:
„Und warum seid ihr um Kleidung besorgt? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: sie mühen sich nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch aber, dass selbst nicht Salomon in all seiner Herrlichkeit bekleidet war wie eine von diesen. Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute ist und morgen in den Ofen geworfen wird, also kleidet, nicht vielmehr euch, Kleingläubige? So seid nun nicht besorgt, indem ihr saget: Was sollen wir essen? oder: Was sollen wir trinken? oder: Was sollen wir anziehen? denn nach allem diesem trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles bedürfet. Trachtet aber zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden. So seid nun nicht besorgt auf den morgenden Tag, denn der morgende Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug.“ (Mt 6,28-34)
Wenn Gott schon das kurzlebige Gras mit herrlichen Blüten geziert hat, und es in Seiner Schöpfung – wo der Mensch nicht „ordnend“ eingreift – keinen Mangel gibt, da dürfen auch wir Vertrauen lernen. Wir dürfen das Vergängliche, das Zeitliche, das Flüchtige, das Sterbliche, das Schwache und das bei Menschen Verachtete in das Licht Seines Reiches stellen. Gottes Fürsorge gleicht all das bei weitem aus – darum brauchen wir Seine Nähe.
„Das Gras ist verdorrt, die Blume ist abgefallen; denn der Hauch Jahwes hat sie angeweht. Fürwahr, das Volk ist Gras.“ (Jes 40,7)
Er sagt dasselbe gleich noch einmal, aber mit einem anderen Abschluss. Hier sagt Er zuerst, dass der Hauch Jahwes uns sterben lässt – und das Volk Gottes ist tot.
Das klingt nicht besonders tröstlich, aber es entspricht einfach einmal unser natürlichen Beschaffenheit. Doch dabei bleibt Er nicht stehen:
„Das Gras ist verdorrt, die Blume ist abgefallen; aber das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit."“ (Jes 40,8)
Ja, wir sind tot, aber das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit. Damit ist nicht gemeint, dass das Wort Gottes eben eine abstrakte Größe außerhalb von uns ist, sondern es ist Gottes Wort an uns, Seine Verheißung der Sündenvergebung und des ewigen Lebens. Hier wird der Tod überwunden, das Schwache wird stark, die Zeitlichen treten ein in das ewige Reich Gottes.
„Wenn wir allein in diesem Leben auf Christum Hoffnung haben, so sind wir die elendesten von allen Menschen. (Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der Erstling der Entschlafenen; denn da ja durch einen Menschen der Tod kam, so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn gleichwie in dem Adam alle sterben, also werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling, Christus; sodann die, welche des Christus sind bei seiner Ankunft; dann das Ende, wenn er das Reich dem Gott und Vater übergibt, wenn er weggetan haben wird alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht. Denn er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Der letzte Feind, der weggetan wird, ist der Tod.“ (1.Kor 15,19-26)
Nun kommt die Berufung, zu der Gott uns berufen hat. Er kommt nicht nur, um uns zu trösten, sondern um durch uns Seine Herrlichkeit allen Menschen zu offenbaren:
„Auf einen hohen Berg steige hinauf, Zion, du Verkündigerin froher Botschaft; erhebe mit Macht deine Stimme, Jerusalem, du Verkündigerin froher Botschaft! Erhebe sie, fürchte dich nicht; sprich zu den Städten Judas:“ (Jes 40,9)
Zion ist ja bereits ein Berg. Das heißt, die Träger der Botschaft sind sinnbildlich Zion, der Tempelberg Gottes. Gott wohnt unter uns, und wir sollen – wie Jesus sagte – eine Stadt auf einem Berg sein (Mt 5,14).
Wir sollen von weitem sichtbar sein als Stadt Gottes, als Zufluchtsort. Dass Städte auf Bergen angelegt wurden, hatte vor allem auch Sicherheitsaspekte – hierher kann man kommen und sich sicher wissen (nicht nur fühlen). Unsere Sicherheit ist Gott in unserer Mitte.
All das, was uns in den vorangegangenen Versen gesagt wurde ist frohe Botschaft. Es ist genau diese Botschaft, die wir weitersagen sollen: Gott ist ein Gott des Trostes, unsere Sünden sind mehr als genug gesühnt, Er will zu uns kommen und bei uns wohnen, damit in uns und durch uns seine Herrlichkeit sichtbar wird. Voraussetzung dafür ist, dass wir nicht höher von uns denken als es sich gebührt, aber auch nicht geringer. Dass wir unsere Sündhaftigkeit eingestehen und gleichzeitig dankbar annehmen, dass sie doppelt gesühnt ist; damit unser verzagtes Herz keinen Grund mehr hat, uns traurig zu stimmen. Gott kommt in unsere Wüste und führt uns auf diesen hohen Berg.
Durch uns sollen die Menschen Gott erkennen:
„Siehe da, euer Gott! Siehe, der Herr, Jahwe, kommt mit Kraft, und sein Arm übt Herrschaft für ihn; siehe, sein Lohn ist bei ihm, und seine Vergeltung geht vor ihm her.“ (Jes 40,10)
Gott ist zu uns gekommen, und Er will zu allen Menschen kommen. Es gibt Lohn und es gibt Vergeltung. Ewiges Leben und Gericht – beides ist Teil der Botschaft; die Konsequenzen, Gott den Weg nicht zu bereiten, sind fatal für jeden. Doch Gott will nicht, dass jemand verloren geht, weshalb Er uns berufen hat, diese Botschaft zu verbreiten.
Jahwe kommt mit Kraft – und Seine Kraft ist bereits unter uns wirksam. Damit ist unsere Botschaft nicht die Summe leerer Worte, denn wir selbst sind der lebendige Beweis durch das veränderte Leben und die Liebe, die Er in unsere Herzen ausgegossen hat.
Jahwe regiert, und Er regiert bereits unter uns, indem wir Sein Wort lesen und ernst nehmen, indem wir lernen, allem zu gehorchen, was Er uns geboten hat. Auch die Rede von der Herrschaft Gottes ist kein leeres Wort, aber ohne Seine Kraft wären wir kraftlos. Nun aber können die Menschen an uns sehen, was das Reich Gottes praktisch bedeutet.
Seine Königsherrschaft wird sichtbar in dieser (noch) kleinen Stadt auf dem hohen Berg; doch am Ende wird Sein Reich die gesamte Schöpfung erfüllen und der Tod wird weggetan sein.
„Er wird seine Herde weiden wie ein Hirt, die Lämmer wird er in seinen Arm nehmen und in seinem Busen tragen, die Säugenden wird er sanft leiten.“ (Jes 40,11)
Das Wesen Seiner Herrschaft ist Sanftmut, Liebe, Fürsorge – in Kraft. Er ist ein starker Hirte, aber zugleich ein sanfter Hirte. Er sieht die Schwachen in der Herde und trägt sie. Er tröstet die Kleinmütigen (1.Thess 5,14).
Gott weiß wohl, was Er will; und Er setzt alles daran, mit uns zu Seinem Ziel zu kommen; aber kommt mit Worten des Trostes. Er weiß, wie es um uns steht. Die Stolzen, und die Halsstarrigen, die weist er scharf zurecht; doch die verzagten und Aufrichtigen nimmt Er in Seine Arme.
Gnade kommt in diesem Text nicht als Wort vor, aber Gnade wird hier in vielen Aspekten beschrieben. Es wird deutlich, dass Gott uns gegenüber ein unauslotbares Wohlwollen hat. Gnade erschöpft sich nicht in der Vergebung der Sünde – ein irdischer Richter kann einen Verbrecher wohl begnadigen, aber er wird deswegen nicht gleich bei ihm wohnen wollen. Gott will bei uns wohnen. Und Er will uns zu einer Wohnstätte, einer Stadt auf dem Berg, machen.
Bereiten wir dem Herrn den Weg?