Alexander

Ich wurde im Jänner 1969 in Wien geboren. Wien ist keine besonders religiöse Stadt, und unsere Familie war es auch nicht. Wir gehörten zur evangelischen Kirche A.B., wo ich den Kindergarten und die Jungschar besuchte; den Gottesdienst nur etwa 2-3 mal im Jahr. Ich glaubte nicht an Gott, auch nicht bei meiner Konfirmation (evangelisches Gegenstück zur Firmung) - warum auch? Man sieht ihn nicht, und das Leben läuft auch ohne ihn.

Nur läuft es nicht immer so, wie man selbst es sich wünscht. Ich war 16 und besuchte die "Grafische" (eine HTL für Grafik und Druckereiwesen). Dorthin ging ich, weil ich gut zeichnen konnte; aber dass es gleichzeitig eine technische Schule war, frustrierte mich. Außerdem war ich in der Pubertät und meine Emotionen waren allein deshalb schon recht labil. In dieser Zeit lernte ich über einen Schulkollegen die "schwarze Kunst" kennen. Ich begann, mich mit dem Okkultismus auseinander zu setzen.

"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt", soll Shakespeare gesagt haben. Jedenfalls öffnete diese Philosophie mir den Blick für die "spirituelle Welt". Einfache Experiment mit Runen und Kartenlegen, sowie Gespräche mit anderen "Adepten" in den Okkult-Buchläden überzeugten mich bald, dass hinter dem magischen Weltbild eine aufregende Realität stand´, die ich kennen lernen wollte. Ich wurde ein "Suchender".

Mittlerweile war ich knapp 18, ging noch immer in dieselbe Schule und begann, mich mit meinem "Schicksal" anzufreunden. Der Lehrstoff wurde praktrischer, und ich bekam ein Gefühl für die schönen Seiten des Berufs, für den ich ausgebildet wurde. Zwei Schulkolleginnen gab es in meiner Klasse, die sich immer wieder Grüße von einer ominösen "Jugend" ausrichteten. Da ich suchend war, fragte ich nach. Das sei eine christliche Jugendgruppe, in der man singt, betet und die Bibel liest. Ich ließ mich einladen und ging hin.

Meine Vorstellungen waren von dem geprägt, was ich mit "Kirche" assoziierte: Vollziehen die Priester nicht auch "magische Zeremionien"? Tragen sie nicht "Ritualgewänder" und sprechen "Beschwörungsformeln"? Vielleicht, so dachte ich, finde ich dort ja auch passende Mosaiksteine für mein magisches Weltbild. Meine Überraschung war dementsprechend groß: denn die Jugendlichen versammelten sich ohne Priester, beteten in freien Worten, wie ihnen der Schnabel gewachsen war, und sagen gar keine so alt-verstaubten Lieder. Es war keine magisch-mystischee, sondern eine freundliche Atmosphäre.

Die Bibelarbeit war praktisch und lebensnah. Es wurde diskutiert, wie man den Text im eigen Leben anwenden kann und ich hatte das Gefühl, dass es jedem einzelnen sehr ernst damit war. Bei Kuchen, Tee und Tischtennisspiel ergaben sich oft lange Gespräche. Ich ging in den nächsten Monaten deshalb immer wieder hin, und mit der Zeit schloss ich auch Freundschaften.

An einem Abend ging es über die dunkle Seite der unsichtbaren Welt. Hier wurde mir deutlich, dass ich mit Magie keinen "neutralen Boden" betrete. Der Unterschied zwischen Gott und den Geistern ist auch sehr deutlich: Hier ist ein Gott, den ich Vater nennen und lieben kann, den ich um meine Bedürfnisse bitten darf; dort sind Geister, die man beschwören und zwingen muss, damit sie einem zu Diensten sind. Mit dem Restrisiko, dass sie schließlich doch die Kontrolle übernehmen - viele Möchtegern-Magier kommen auf die Psychiatrie ...

Ich war auf der Suche. Ich suchte Wahrheit, Gewissheit, Orientierung für mein Leben. Das a-religiöse Wien lässt mich innerlich leer; der Okkultuismus faszinierte mich. Ließ sich das Christentum in mein Weltbild integrieren? Es ließ sich nicht integrieren. Jesus stellte mich vor eine Entscheidung: Suche ich eine Wahrheit, die ich selbst gesammelt habe, die ich nach meinen Kriterien ausgewählt und sortiert habe (also das Ergebnis meines begrenzten Verstehens ist)? Oder suche ich Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist, damit wir Ihn begreifen können - eine Wahrheit als Person, die ich persönlich kennenlernen kann? Diese Gegenüberstellung war für mich der ausschlaggebende Punkt.

Jesus sagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, als nur durch mich." (Johannes 14,6)

Im November 1987 ließ ich mich taufen. Damit bekannte ich öffentlich, dass ich Vergebung meiner Sünden suchte und Jesus nachfolgen will. Es ist, wie wenn man, nachdem man unschlüssig vor einer Weggabelung gestanden und endlos lang gegrübelt hat, welchen Weg, man nun nehmen soll, endlich eine Entscheidung trifft und unterwegs ist. Endlich geht etwas weiter! Endlich gibt es eine Richtung! Endlich von der Suche zum Finden gelangen! Seit mehr als zwanzig Jahren gehe ich nun den Weg, den ich in Jesus gefunden habe. Nein, es war nicht immer eitel Sonnenschein. Ich lernte Gott immer besser kennen, aber auch mich selbst. Und diese Art der Selbsterkenntnis im Licht Gottes ist nicht immer schön.

1996 schenkte Gott mir eine liebe Frau, die ich in der Gemeinde kennen gelernt habe. Es ist uns wichtig, dass wir denselben Glauben teilen und in dieselbe Richtung unterwegs sind. Diesen Weg wollen wir auch unseren drei Kindern weitergeben; das Eingebundensein in eine Gemeinde, die die Lehre Jesu Christi hoch hält, ist uns dabei eine große Hilfe. Hier erfahren wir praktische Liebe und dürfen uns an vielen Freundschaften freuen.

Dank sei Gott dafür!