„A capella, alla capella, d. h. im Kapellstile, bedeutet in älteren Kirchenmusiken die Bewegung der Singstimmen ohne Instrumente, oder wenn ja solche den Gesang begleiten, das Fortgehen der Instrumente im Unisono mit den Singstimmen.“
– F. A. Brockhaus: Allgemeine Deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. 1851 Leipzig.
Die ursprüngliche Form des Gemeindegesangs war a-capella. Die Gemeinden Christi haben diese Praxis wieder aufgegriffen, unter anderem mit dem Hinweis, dass im Neuen Testament keine Musikinstrumente erwähnt werden. Das wird für viele keine ausreichende Begründung darstellen. Wurde nicht im Tempel viel musiziert? Das stimmt. In den Synagogen jedoch war der Gesang auch a capella. Im wesentlichen ist es eine historische Frage, und die ist recht klar: Die frühen Christen sangen generell a capella, manche Kirchen haben das bis heute beibehalten, die meisten nicht. Als Gemeinde, die dem ursprünglichen Glauben und dem ursprünglichen Christlichen Lebensstil nachstrebt, ist der a capella Gesang wichtig, aber er sollte nicht als Glaubensartikel betrachtet werden. Man könnte darüber streiten, und manche tun es auch. Es ist (meines Erachtens) eine wohltuende Alternative zu einem Pop-Band-orientierten Worship, der auch nicht unumstritten ist.
In seinem Buch Paidagogos gibt Clemens von Alexandria (um 200 n.Chr.) einen Hinweis, warum er meint, dass Musikinstrumente zu "vorbelastet" sind für die Anbetung Gottes. Damals war es der Bezug zur Verherrlichung des Krieges, der Entfachung von Begierden oder auch Zorn. Ist es heute wesentlich anders?
"1. Darum rief er der Menschheit zu: „Alles, was Odem hat, soll den Herrn loben!“, weil er sich um alles Atmende, das er schuf, kümmert. Denn ein Friedensinstrument ist in Wahrheit der Mensch; die anderen Instrumente aber wird man, wenn man sich mit ihnen beschäftigt, als kriegerisch erproben, da sie entweder die Begierden entflammen oder die Liebesleidenschaften entfachen oder den Zorn auflodern lassen.
2. So verwenden bei ihren Kriegen die Tyrrhener die Trompete, die Pfeife die Arkader, die Sikeler Harfen und die Kreter die Leier und die Lakedaimonier die Flöte und das Horn die Thraker und die Ägypter die Pauke und die Araber die Zimbel.
3. Wir aber verwenden ein einziges Instrument, allein das friedenbringende Wort, mit dem wir Gott preisen, nicht mehr wie ehedem die Harfe und die Posaune und die Pauke und die Flöte, die jene im Kriege geübten und die Furcht Gottes verachtenden Männer bei ihren Festversammlungen zu verwenden pflegten, auf daß ihr gesunkener Mut durch solcherlei Rhythmen wieder gehoben werde."
(Paidagogos 2. Buch, Kapitel 4, Abs 42,1-3)
Wahrscheilich kann man das eine oder andere Argument als "überzogen" betrachten, doch im Kern (finde ich) trifft er einen guten Punkt. Der ganze Abschnitt dreht sich um die Agape, das christliche Liebesmahl. und kann hier gelesen werden.