Was heißt glauben?

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„Du hast es gut: Du hast deinen Glauben, aber was habe ich?“

Das hat mich ein Freund in einem Anfall von Ironie gefragt, worauf ich ihm die folgenden Zeilen widmen musste ...

“Was hast Du?” Meine erste und spontane Antwort war derb und ehrlich:

“Du hast den A.... offen.”

Hochdeutsch abgemildert: “Du hast die schlechteren Karten”. Irgendwie keine gute Ausgangsposition, oder? Warum das? Du sagst es selber: Ich habe es gut, weil ich meinen Glauben habe. Was ist aber mit dir? Gut, ich will ein bisserl konkreter werden.

Deine Retourkutsche kam postwendend: “Was ist beim Glauben (G/Klauben - Aufheben, eine Wiener Wortspiel) das Höchste? Der A....!” Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück. Wir müssen uns also mit einem Missverständnis auseinander setzen:

Was heißt GLAUBEN?

Ist Glauben die Summe des Nichtwissens oder im Gegenteil die höchstmögliche Gewissheit? Ich versuche es mit einem Vergleich:

Der Glaube ist wie die Unterschrift unter einen Vertrag. Es gibt eine konkrete Abmachung zwischen einem Verkäufer und einem Käufer, die mit einer Unterschrift unter dem Kaufvertrag wirksam wird. Wenn der Verkäufer seriös und ehrlich war, dann fährt das Auto auch, das ich da um einen horrenden Preis erstanden habe.

Woher weißt du, dass der Verkäufer ehrlich war? Weil er eine seriös gestreifte Krawatte getragen hat? Weil er eine offizielle Mercedes-Visitenkarte hatte? Weil er rasiert war?

Nun, es gibt keine Abmachung zwischen Menschen, die nicht auf Glaube beruht. Hast du deiner Frau damals im Ernst geglaubt, das sie dir auch in den “bösen Tagen” beistehen wird als ihr geheiratet habt? Natürlich, sonst hättest du nie “ja” gesagt.

Der Glaube ist auch eine feste und verbindliche Abmachung mit Gott. Ein Beispiel dafür aus dem Alten Testament:

“Nach diesen Dingen redete der Herr zu Abraham in einer Vision folgendes: Fürchte dich nicht, Abraham; ich bin dir ein Schild, ich werde deinen Lohn sehr groß machen.
Da sagte Abraham: Herr, was willst du mir geben? Ich gehe ja doch kinderlos dahin, und Erbe meines Hauses wird Elieser von Damaskus. Siehe, du hast mir keinen Nachkommen gegeben, und darum wird mich mein Knecht beerben.
Der Herr jedoch antwortete ihm: Nicht dieser wird dich beerben, sondern der aus deinem Leibe hervorgeht, der wird dich beerben.
Und er führte ihn hinaus und sprach: Blicke doch auf zum Himmel, und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst!
Und er sprach zu ihm: So zahlreich wird deine Nachkommenschaft sein!
Und Abraham glaubte dem Herrn; und der Herr rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.”

(1.Mose 15,1-6)

Der Glaube beginnt mit einem “Offert” Gottes. Mit einem ähnlichen Angebot hatte Gott Jahre zuvor Abraham aus Ur in Chaldäa heraus berufen, in ein ihm fremdes Land zu ziehen. Gott bekräftigt hier das “Offert”. Folgende “Leistungen” werden angeboten:

A) Gott ist Abrahams Schutz
B) Gott wird Abraham reich belohnen
C) Gott wird Abraham eine gewaltige Nachkommenschaft bescheren
D) Gott wird diesen Nachkommen das Land geben (das kommt etwas später im Text: V7-16)

Das Angebot war gut in den Augen Abrahams, sonst wäre er darauf nicht eingestiegen: Er glaubte Gott, das war die “Auftragserteilung”.

Was war Abrahams Teil in dem Vertrag?

Zuerst, das lag bereits hinter ihm, musste er seine Heimatstadt Ur in Chaldäa verlassen. Zweitens musste er Abstand nehmen davon, seinen Knecht als Erben einzusetzen; denn die Kinderlosigkeit sollte ja kein Dauerzustand sein. Und drittens musste er selbstverständlich seinen “natürlichen” Beitrag zur Nachkommenschaft leisten, allerdings mit seiner bis dahin unfruchtbaren Frau.

Abraham glaubte Gott. Er traute Gott das Unglaubliche zu. Mit der mündlichen Zusage ließ es Gott aber nicht bewenden:

“An jenem Tag schloss der Herr einen Bund mit Abraham.” (1.Mose 15,18)

Dem Brauch der damaligen Zeit zufolge schlachtete Abraham Tiere, um den Vertrag zu besiegeln.

Der Glaube ist also eine Unterschrift unter einen Bund/Vertrag mit Gott aufgrund eines überzeugenden Angebots.

Schwacher Glaube

Abraham wurde mit den Jahren ungeduldig, auch seine Frau Sarah war sich bezüglich des Wortes Gottes nicht so ganz sicher. Beide waren bereits ziemlich alt (an die 90) und noch immer stellte sich kein Nachwuchs ein. So schlug Sarah vor, dass Abraham es mit der Magd Hagar probieren sollte. Aus dieser Verbindung ging Ismael hervor. Aber das war nicht das, was Gott meinte:

“Da sprach Gott: Wahrlich, über’s Jahr um diese Zeit komme ich wieder zu dir, siehe, dann hat Sarah, deine Frau einen Sohn.” (1.Mose 18,9)

Abraham versuchte fälschlicherweise, Gottes Teil des Vertrages zu erfüllen, indem er mit irgendeiner Frau einen Sohn zeugte. Doch Gott wusste ganz genau, was Er angeboten hatte. Und das erfüllte Er dann auch.

Es ist ungemein tröstlich, dass man als “Gläubiger” Gott missverstehen darf, dass man menschlich bleiben und bisweilen auch die Geduld verlieren kann, ohne dass Gott von Seinem Teil des Bundes zurücktritt.

Abraham wird, mit allen Schwächen und Fehlern, deshalb der Vater des Glaubens genannt.

Glaube an Jesus Christus

Das eigentliche Ziel der Berufung Abrahams war das Kommen des Erlösers. Gott bereitete durch Abraham das Volk und das Land vor, in das Jesus Christus geboren werden sollte. Das ganze Alte Testament, der “Alte Bund”, ist ein großartiges Vertragswerk, dessen Inhalt darin besteht, den Erlöser in die Welt zu bringen.

Jesus brachte als Erfüllung des Alten Bundes einen Neuen Bund:

“Während sie aber aßen, nahm Jesus Brot und segnete , brach und gab es den Jüngern und sprach: nehmt, dies ist mein Leib! Und er nahm einen Kelch und dankte und gab ihnen den und sprach: Trinkt alle daraus! Denn dies ist das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.” (Matthäus 26,26-28)

Als Abraham und Gott den Bund schlossen, mussten ein paar Tiere sterben. Nun aber stirbt Jesus Christus als Bürge des Neuen Bundes, oder wie es anderswo erklärt wird: Er ist das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinweg nimmt.

Die Schriften des Neuen Testamentes sind das “Offert” des Neuen Bundes. Darin wird unter anderem folgendes angeboten:

A) Die Vergebung der Sünden
B) Die Aufnahme als Kind Gottes
C) Ewiges Leben
D) Eine Wohnung im Himmel
E) Schutz und Fürsorge Gottes
F) Aber auch Verachtung und Verfolgung um Jesu Willen
G) Gott will unsere Gebete hören und beantworten
H) Gott will uns charakterlich weiterbilden

Das ist Sein “Offert”. Macht das Sinn für dich? Für mich liegt darin der letzendliche Sinn des Lebens. Dass Gott an erster Stelle steht, verweist alles andere in die Ränge. Gott ist größer als der Konzern, der uns so knechtet. Gott ist größer als die finanziellen Engpässe. Ich brauche mir um diese Dinge keine Sorgen machen (auch wenn ich manchmal bitter und verärgert bin).

Was ist mein Teil in dem Vertrag?

A) Ich habe mich taufen lassen, als ich dieses Angebot angenommen habe (das ist meine Unterschrift - Kinder oder Babies können das nicht)
B) Ich habe mich als schuldig bekannt, damit meine Sünden vergeben werden können
C) Ich habe mich entschieden, nach bestem Wissen und Gewissen Seinen Willen zu suchen, und mich von persönlichen Versagern nicht entmutigen zu lassen
D) Meine erste und letzte Treue gehört dem Herrn der für mich am Kreuz gestorben und auferstanden ist. Innerlich habe ich mein “Ur in Chaldäa”, diese Welt, bereits verlassen.

Das ist Glaube. Warum glaube ich? Weil Jesus eine seriös gestreifte Krawatte getragen hat? Weil Er so schön und lieb geredet hat? Weil Er ein netter Mensch war? Nein. Er hat Sein eigenes Leben für mich eingesetzt. Daran erkenne ich, dass Er es mit Seinem “Offert” todernst meint. Würde ich dieses Angebot ausschlagen, dann hätte ich nicht nur im Diesseits, sondern auch im Jenseits “den A... offen” - schlechte Karten.