(Faltblatt zum PDF-Download)
LOURDES, FATIMA, MEDJUGORJE sind die bekanntesten von über 900 Marienerscheinungen der letzten 2000 Jahre. Sie gehören zu den mächtigsten Bestätigungen der von Außenseitern oft belächelten und missverstandenen Marienverehrung.
Wunder und Bekehrungen kennzeichnen die Wallfahrtsorte, Umkehr und Besinnung. Soll man nicht, wie Jesus sagte, an den guten Früchten den guten Baum erkennen?
Wie kommt es aber dann, dass nur knapp 20% aller Marienerscheinungen kirchlich anerkannt sind? Und viele auch abgelehnt werden? Wenn das alles so überwältigend ist, warum steht es dennoch jedem Katholiken frei, an die Erscheinungen zu glauben oder nicht?
Und von einer anderen Seite betrachtet: Was interessiert wirklich mehr? Das Spektakel, die Wunder, die Atmosphäre … oder die Botschaft?
Das sind Fragen, die zum Hinterfragen einladen. Dabei wollen wir nicht die Tatsächlichkeit der aller-orts sehr gut bezeugten Phänomene abstreiten. Wir wollen auch zugestehen, dass die Botschaften nichts wesentlich Neues an Lehre offenbarten.
Zwei Fragen möchte ich mit Ihnen andenken, zu Ende müssen Sie es selbst bringen:
1. Warum sind so viele Erscheinungen nötig, wo doch nichts Neues offenbart wird? Entspricht es tatsächlich der Idee Gottes, so zu uns zu reden?
2. Was die Erscheinungen verschweigen: Warum werden wichtige Glaubensinhalte selten bis nie angesprochen?
Diese Graphik wird Sie ebenso verblüffen wie mich:
Statistik der Marienerscheinungen
Diese Graphik veranschaulicht sehr schön die augenscheinliche Abhängigkeit der Erscheinungen vom geistesgeschichtlichen Umfeld:
Als im Mittelalter die Marienfrömmigkeit mehr und mehr zunahm (zu dieser Zeit wurde es üblich, den Vorläufer des Rosenkranzes zu beten, 50 bis 150 x Ave Maria) nahmen die Erscheinungen erstmals deutlich zu (11.-13. Jhdt.).
Im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation (16. & 17. Jhdt.) war der nächste sehr deutliche Anstieg.
Eine deutliche “Abkühlung” kam im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung und Vernunft.
Dem folgte im 19. Jahrhundert die sehr gefühlsbetonte Romantik, als Gegenbewegung zur sehr nüchternen Vernunft. Ganz deutlich ist die Trendumkehr zu erkennen.
Wie aber soll man das 20. Jahrhundert, das einerseits von Materialismus, andererseits von neuheidnischen Philosophien durchdrungen ist, einordnen?
Man kann natürlich einwenden, dass die verbesserte Nachrichtentechnik dazu beiträgt, dass wir mehr Berichte über solche Phänomene erhalten. Das stimmt, doch das erklärt weder den Zusammenhang mit den geistlichen “Trends”, noch die “Explosion” im 20. Jahrhundert.
Warum so viele Erscheinungen?
E. Michael Jones, ein katholischer Priester, der Medjugorje gegenüber kritisch eingestellt ist, eröffnet ein Buch darüber mit folgendem Bibelvers:
“Es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen, und sie werden große Zeichen und Wunder wirken, so dass selbst die Auserwählten, wenn es möglich ist, in Irrtum geführt würden.” (Mt 24,24 - E.M.Jones “Das Geheimnis von Medjogorje” Pro Fide Catholica 1992, S. 5)
Jesus sagte also Verführungen voraus, die besonders fromme Menschen täuschen werden. Sie werden in christlichem Gewand erscheinen. Es gibt also keine Garantie, dass Wunder und religiöse Erweckungen unbedingt von Gott sein müssen.
Der Pessimismus (Realismus?) der Endzeitreden Jesu lässt geradezu das Gegenteil erwarten. Muss man das gleich so pauschal verurteilen? Gibt es ein objektives Kriterium, das uns hilft, die Geister zu unterscheiden?
Was die Erscheinungen verschweigen:
Meines Wissens gibt es keine Marienerscheinung, die darauf hinweist, dass Jesus am Kreuz alle Sünden ein für allemal vergeben hat. Vielleicht da und dort eine vereinzelte Aussage, aber welcher Kontrast zum Evangelium wird gerade hier deutlich!
Die Erscheinungen wollen eine “Weihe an Maria”, tägliches Rosenkranzgebet, religiöse Bemühungen … verschweigen aber das Kreuz. Dafür bieten sie beeindruckende Zeichen und Wunder. Hören wir Paulus:
“Denn während Juden Zeichen fordern … predigen wir Christus als gekreuzigt.” (1.Kor 1,22+23)
Auch finden wir keine Ermutigung seitens der Erscheinungen, die Bibel zu lesen. Warum wohl? Dort finden wir die einzigen Erscheinungen, die wir glauben müssen, um errettet zu werden:
“Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen und unterweist uns, … indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus erwarten.” (Tit 2,11-13)
Wir müssen glauben, dass Jesus das erste Mal erschienen ist, um am Kreuz für unsere Sünden zu sterben. Und dann warten Christen nur mehr auf eine Erscheinung: dass Jesus in Macht und Herrlichkeit wiederkommen wird.
Lehren das die Marienerscheinungen? Wenn nicht, dann lenken sie uns nur ab und verdienen keine weitere Beachtung.
Ist das die Hoffnung und der religiöse Eifer, den diese Erscheinungen bewirken? Oder steht doch Maria und ihr “Unbeflecktes Herz” im Zentrum der Aufmerksamkeit?
Enthält der vielfach geforderte Rosenkranz die biblische Bitte: “Amen. Komm bald, Herr Jesus!”? Nein.
Gott hat die Bibel vom Alten Testament an auf Seinen Sohn hin fokussiert. Jesus ist die Mitte der Heiligen Schrift in beiden Testamenten. Wenn wir das vor Augen haben, dann wird klar, warum es dort eindeutig heißt: “Es ist den Menschen kein anderer Name gegeben, in dem wir gerettet werden müssen.” (Apg 4,12) Jesus, nicht Maria!
Also wirkt das alles wie ein groß angelegtes Ablenkungsmanöver in den “letzten Tagen”, von denen unser Herr Jesus oft geredet hat. Richten wir unsere Augen doch auf Sein Erscheinen, damals am Kreuz und bald in Herrlichkeit!