Taufe - heilsbezeugend oder heilsvermittelnd?

Einleitung – was ist nötig, um das Heil zu erfassen? (Artikel als PDF)

Auf den folgenden Seiten will ich einen Aspekt der Taufe hervorheben, der die Gemeinden Christi von anderen Freikirchen trennt. Es geht darum, ob die Taufe nur Symbol der Gnade Gottes oder selbst heilsvermittelnd ist. Bewirkt die Taufe, was sie darstellt, oder stellt sie nur dar, was allein durch den Glauben geschieht?

Auf den ersten Blick wirkt die Fragestellung spitzfindig, aber sie hat immense praktische Bedeutung. Wie man sie beantwortet, entscheidet

  • Wie man lehrt, das Evangelium anzunehmen
  • Wann man jemandem oder sich selbst die Verheißungen Gottes zusprechen kann
  • Wen man als Kind Gottes und Glied der Gemeinde betrachten kann

Es geht also um die Frage, wie man Christ und Kind Gottes wird. Die Grundaussage zur Errettung würden wohl alle gleich sehen:

(Eph 2,8-10)  Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittelst des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, auf dass niemand sich rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, auf dass wir in ihnen wandeln sollen.

Wenn wir aus Gnade durch Glauben errettet werden, schließt das jegliches eigene Tun aus? Nicht wirklich, denn der Glaube selbst ist ja nicht möglich, ohne dass wir demselben Ausdruck verleihen. Der Glaube drückt sich aus, indem wir …

  • … der Botschaft des Evangeliums zustimmen – das ist ein Akt des Willens aufgrund einer Prüfung.
  • … unsere Sünden als Sünden erkennen und vor Gott bekennen, um davon umzukehren – das ist nicht nur ein Akt des Willens, sondern es drückt sich in konkreten Handlungen aus, indem wir Böses nicht mehr tun, um stattdessen Gutes zu tun.
  • … indem wir im Gebet den Namen des Herrn Jesus anrufen.

Das „nicht aus Werken“ bezieht sich also nicht auf solche Taten, sondern (wie aus dem Gesamtzusammenhang von Röm, Gal, Eph & Kol hervorgeht) auf die Werke des mosaischen Gesetzes. Das war der Hauptstreitpunkt, mit dem sich Paulus in fast allen seinen Briefen auseinandersetzen musste. Es geht hier nicht um Werke des Glaubens oder der aufrichtigen Buße. Und auch hier stimmen wir prinzipiell überein, dass der Glaube sich äußern muss, dass er in konkreten Handlungen verwirklicht werden muss.

Man kann also nicht sagen, der Glaube „allein“ rette, in dem Sinne etwa, dass das Anrufen des Namens des Herrn nicht heilsnotwendig wäre. Oder dass Buße (Umkehr) nicht heilsnotwendig wäre. Wer „allein aus Glauben“ so versteht, der missversteht die Natur und das Wesen des Glaubens.

Der Unterschied zwischen den Gemeinden Christi und anderen taufenden Freikirchen liegt nun darin, dass die ersteren die Taufe ganz natürlich als Ausdruck des Glaubens sehen, so wie die genannten Beispiele ganz unwidersprochen auch. Ein paar Fragen mögen unterstreichen, dass es ganz und gar kein unsinniges Denken ist, die Taufe als heilsvermittelnden Akt zu verstehen:

  • Wenn wir aufgrund der sorgfältigen Prüfung des Evangeliums glauben, rettet uns das?
  • Wenn wir unsere Sünden bekennen und lassen, vermittelt dies Gottes Vergebung?
  • Wenn wir ein Übergabegebet sprechen, macht diese Handlung uns zu Gottes Kindern?

Wahrscheinlich würden die meisten gar nichts dabei finden, diese Fragen alle zu bejahen. Aber warum lehnen dieselben oft vehement ab, dass die Taufe in derselben Weise das Heil vermittelt? Mir geht es bei dieser Frage wirklich um das Prinzip: Das ewige Leben, das Heil muss ergriffen werden, angenommen werden – der Akt des Annehmens ist immer unser Tun, das uns das Heil vermittelt. Es schafft nicht das Heil, es vermittelt. Das ist auch wichtig zu unterscheiden, denn die Grundlage aller Heilszusagen sind Kreuz und Auferstehung Christi. Das ist ein für allemal vollbracht. Es geht einzig darum, wie die Erlösung für uns wirksam wird, wie das Heil vermittelt wird.

Wir können die Fragen von oben noch verfeinern:

  • Genügt es, der Botschaft des Evangeliums zuzustimmen, ohne aufrichtig umzukehren?
  • Genügt es, von den Sünden umzukehren, ohne beispielsweise an die Auferstehung Christi zu glauben?
  • Genügt es, ein Übergabegebet zu sprechen, ohne Sündenerkenntnis?

Da würden wahrscheinlich die meisten sagen, das sei unvollständig. Leider gibt es immer wieder unvollständige Bekehrungen aufgrund eine oberflächlichen Verkündigung, diese Fragen sind nicht wirklich an den Haaren herbeigezogen. Wenn wir aber darin einig sind, dass es so nun auch wieder nicht geht, dann können wir sicherlich zustimmen, wenn man feststellt:

Die Bekehrung ist ein Prozess, der mehrere Elemente enthält, die alle zumindest im Kern erfüllt sein müssen, damit wir die mit der Umkehr verbundenen Verheißungen persönlich in Anspruch nehmen können.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass einzelne Bibelstellen oft nur einen Aspekt nennen und mit diesem die ganze Verheißung verbinden. Beispiele:

(Apg 16,31)  Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus.

Nach dieser Stelle genügt es, allein zu glauben – ohne den Namen des Herrn anzurufen oder Sünden zu bekennen.

(Lk 18,13-14)  Und der Zöllner, von ferne stehend, wollte sogar die Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: O Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus vor jenem; denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Für sich genommen, genügt laut diesem Vers die Umkehr von Sünden ohne direkten Bezug zu Christus, um gerettet zu werden.

(Röm 10,13)  Denn jeder, der irgend den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden.

Nimmt man nur diesen Vers, so ist allein das Anrufen Seines Namens bereits heilsvermittelnd – ohne Buße, ohne sachliche Kenntnis des Evangeliums. Also ein Übergabegebet genügt?

Natürlich ist das Unsinn. So kann man mit der Schrift nicht umgehen. Also gehört all das tatsächlich zusammen, und wenn die Schrift an einer Stelle nur einen Aspekt hervorhebt, dann muss man selbstverständlich die anderen Aussagen im Hinterkopf mitlesen. Liest man bei den einzelnen Stellen ein paar Verse vorher oder nachher, dann findet man meist im direkten Umfeld Aussagen, die den einzelnen Vers ergänzen. So findet man im Umfeld vom Römer 10,13 noch folgende Aussagen, die den Vers in wichtigen Punkten ergänzen: Dass wir mit dem Herzen an die Auferstehung Christi glauben und Jesus als Herrn bekennen sollen ist untrennbar damit verbunden, den Namen des Herrn anzurufen.

Gut, das war jetzt eine vielleicht über Gebühr lange Einleitung, eine ermüdende Darlegung von Binsenwahrheiten. Das Problem ist: Sowie wir aus den Gemeinden Christi darauf bestehen, dass die Taufe heilsvermittelnd ist, wird alle Logik preisgegeben und darauf beharrt, dass die Taufe ja nur ein menschliches Werk sei und unmöglich Heil vermitteln könne. Dabei ist ein Übergabegebet um nichts weniger ein menschliches Werk als die Taufe! Zugleich ist jedem klar, dass das Übergabegebet alleine auch nicht alles umfasst, was eine schriftgemäße Bekehrung beinhalten soll. Nochmals die unbestrittene Tatsache:

Die Bekehrung ist ein Prozess, der mehrere Elemente enthält, die alle zumindest im Kern erfüllt sein müssen, damit wir die mit der Umkehr verbundenen Verheißungen persönlich in Anspruch nehmen können.

Unserer Überzeugung nach ist die Taufe ein Teil dieses Prozesses, den wir nicht ausblenden dürfen.

Ich habe diese lange Einleitung auch vor allem deshalb geschrieben, damit nicht der gegenteilige Eindruck entsteht, als genüge die Taufe zur Errettung. Nein, die Taufe allein ist ebenso wenig heilsvermittelnd wie die Umkehr alleine es nicht ist. Und – nur um es zu betonen – die Bekehrung als Gesamtpaket ist nur heilsvermittelnd, nicht aber heilsbegründend. Begründet ist unsere Erlösung einzig und allein im vollbrachten Werk Christi am Kreuz.

 

Markus 16,16 Glaube und Taufe

In diesem Sinne wenden wir uns der ersten Aussage zu:

(Mk 16,16)  Wer da glaubt und getauft wird, wird errettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.

Nach der Einleitung sollte dieser Vers kein Problem mehr darstellen. So wie Glaube mit Umkehr und der Anrufung des Namens des Herrn verbunden ist, so auch mit der Taufe. Die Taufe ist Teil des Bekehrungsprozesses, der in diesem Vers jedoch – wie in den meisten Stellen – nicht vollständig dargelegt wird. Hier werden also zwei Elemente des Bekehrungsprozesses genannt, im Hintergrund muss uns jedoch bewusst sein, dass eine vollständige Umkehr noch mehr umfasst.

Wenn das klar ist, dann dämmert es uns vielleicht, dass die teils krampfhaften Versuche, die Taufe aus diesem Vers „herauszuerklären“ um den Glauben „allein“ als heilsvermittelnd zu erhalten, unnötig sind. Der beliebteste Einwand lautet:

Es steht ja nur, wer nicht glaubt, wird verdammt werden. Nicht getauft zu sein, verdammt also nicht, folglich könne die Taufe nicht heilsnotwendig sein.

Wir haben aber oben gesehen, dass der Glaube sichtbar zum Ausdruck kommen muss – in der praktischen Umkehr, im Bekenntnis, in der Anrufung. Hier ist eben die Taufe als Ausdruck des Glaubens genannt. Man könnte eine Analogie versuchen, um den Vers in seiner an sich offensichtlichen Bedeutung leichter zu begreifen:

Wer den Stoff beherrscht und das Maturazeugnis erhält, darf studieren. Wer aber den Stoff nicht beherrscht, darf nicht studieren.

Kann man daraus schließen, dass das Maturazeugnis nicht nötig zum Studium sei? Natürlich nicht. Aber wer den Stoff nicht beherrscht, erhält auch kein Zeugnis. Also sind es zwei Bedingungen, die zusammengehören – und doch könnte man im Blick auf das Studium noch andere nennen, die in dieser Aussage gar nicht genannt sind. In vielen Ländern ist es auch eine finanzielle Frage, ob man studieren kann. Das steht also nicht in diesem einen Satz, ist aber jedem bewusst, der in solch einem Land lebt.

Wir müssen also den gesamten Bekehrungsprozess im Auge haben, wenn wir Markus 16,16 lesen. Der Vers nennt nur zwei Elemente, wobei es noch eine Reihe anderer Aspekte gibt. Die Taufe ist eines davon.

 

Der Platz der Taufe im Bekehrungsprozess: 

Apostelgeschichte

Wenn man die Taufe als Teil des Bekehrungsprozesses sieht, dann muss man sich die Frage nach ihrem Platz und ihrer Funktion in diesem Prozess stellen. Dazu werden wir einfach eine Reihe von Stellen betrachten. Zuerst solche, die sich vordergründig auf die Taufe beziehen, weiters aber auch solche, deren Bezug zur Taufe umstritten ist. Dabei will ich zeigen, warum wir sie dennoch mit der Taufe in Verbindung bringen müssen.

 

Die Taufe ist ein Teil des Missionsbefehls

(Mt 28,18-20)  Und Jesus trat herzu und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet [nun] hin und machet alle Nationen zu Jüngern, und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.

Oft hört man als Einwand gegen die starke Betonung der Taufe unter den Gemeinden Christi, dass Paulus die Taufe nicht so wichtig genommen habe. Er sei nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen (1.Kor 1,17). Dabei übersieht man aber, einerseits warum er das sagt (nämlich, weil die Korinther zu sehr auf die Verkündiger schauten und diese gegeneinander ausspielten), andererseits aber, dass dennoch alle Korinther natürlich getauft wurden (Apg 18,8). Aber der stärkste Grund, diesen Einwand zurückzuweisen, liegt im Missionsbefehl des Herrn selbst.

Der Herr Jesus gab den Auftrag, Jünger zu machen. Dazu gehört die Predigt des Evangeliums, die Taufe und die Unterweisung im Gehorsam. Die Taufe ist ein Teil des Prozesses, ein Jünger zu werden. Darum wurden im Neuen Testament alle Christen ab Pfingsten getauft.

 

Die Taufe ist Teil der Missionspredigt

(Apg 2,38)  Was sollen wir tun, Brüder? Petrus aber [sprach] zu ihnen: Tut Buße, und ein jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.

Auf die Frage, was sie nun tut sollten, antwortete Petrus den Zuhörern, sie sollen umkehren und sich zur Vergebung der Sünden taufen lassen. Die Taufe ist somit die Art und Weise, wie auf das Evangelium reagiert werden soll. Sie ist Ausdruck der Umkehr und dient zur Vergebung der Sünden.

Die Formulierung „zur Vergebung der Sünden“ irritiert viele, die nicht akzeptieren wollen, dass die Taufe heilsvermittelnd ist. Eine Möglichkeit, diese Aussage abzuschwächen liegt in der theoretischen Übersetzungsmöglichkeit „aufgrund der Vergebung der Sünden“. Aber löst das das Problem wirklich?

Der Gedanke dahinter ist, dass in Jesus ja die Sünden vergeben sind, und die Taufe dementsprechend ein Zeugnis der bereits empfangenen Vergebung sei. Jetzt kann man gegenfragen, ob die Zuhörer des Petrus, als sie diese Frage stellten, bereits die Umkehr vollzogen und Vergebung der Sünden empfangen haben, die sie nun in der Taufe bezeugen sollten. Eher nicht, denn sie wissen ja gar nicht, was sie nun tun sollten.

Weiters ist diese Formulierung ident mit dem, was die Taufe des Johannes bezwecken sollte. Auch diese Taufe war „zur Vergebung der Sünden“ (Mk 1,4), und die Menschen ließen sich taufen, „indem sie ihre Sünden bekannten“ (Mk 1,5).

Auch hier ist das natürliche Verständnis von Apg 2,38 so offensichtlich, dass es gar nicht vieler Worte bedürfte, es zu erklären: Wer von der Botschaft des Evangeliums getroffen ist, soll von seinen Sünden umkehren und sich zur Vergebung derselben taufen lassen. Daraufhin wird er die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.

Damit ist die Taufe eingebettet in Umkehr und Wiedergeburt durch den Geist. Der ausdrückliche Zweck der Taufe in diesem Prozess ist die Vergebung der Sünden. Wohlgemerkt: Heilsvermittelnd, nicht heilsbegründend – die Grundlage der Vergebung ist das Blut Christi, nicht das Wasser der Taufe.

 

Die Taufe allein mit Wasser ist unvollständig

(Apg 8,14-16)  Als aber die Apostel, welche in Jerusalem waren, gehört hatten, dass Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen; welche, als sie hinabgekommen waren, für die beteten, damit sie den Heiligen Geist empfangen möchten; denn er war noch nicht auf einen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus.

Petrus verbindet mit der Taufe den Empfang des Heiligen Geistes (Apg 2,38), aber in Samaria kam der Geist nicht mit der Taufe. Der Grund dafür wird nicht genannt. Man kann darüber spekulieren, dass es eigentlich die Apostel hätten sein sollen, die den nächsten Schritt in der Weltmission (Jerusalem => Judaä => Samaria => Alle Völker) einleiten. Doch für diese Arbeit ist das zweitrangig. Wichtig ist vielmehr, dass die Bekehrung ein Prozess ist, der mehrere Elemente umfasst, wobei diese nicht unbedingt zeitlich zusammenfallen müssen. Hier in Samaria war der Glaube an das Evangelium zweifellos echt, ebenso war die Taufe auf den Namen des Herrn Jesus formal richtig und gültig. Doch den Heiligen Geist erhielten sie erst, als die Apostel ihnen die Hände auflegten und beteten (Apg 8,17).

Das bedeutet, dass eine Bekehrung ohne Geistesempfang unvollständig ist. Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu Christus (Röm 8,9). Wenn auch die Regel die ist, dass wir den Heiligen Geist empfangen, wenn wir gläubig werden (Eph 1,13), so müssen wir ergänzen, dass die Verheißung des Geistes normalerweise an die Taufe gebunden ist (Apg 2,38), diese zeitlich aber vor oder nach der Taufe empfangen werden kann. Dabei sollten wir nicht die Ausnahmen zur Regel erheben, ebenso wenig aber die Regel als starr und unabänderlich betrachten. Der Geist weht, wo Er will.

Das bedeutet aber auch, dass man nicht zwingend immer davon ausgehen kann, dass jeder, der sich bekehrt auch tatsächlich den Heiligen Geist hat. Denn das würde bedeuten, über den Geist verfügen zu können, wobei es egal ist, ob man das Übergabegebet „magisch-sakramental“ versteht oder die Taufe. Zwischen einer (automatischen) Taufwiedergeburtslehre und einer (automatischen) Übergabegebetswiedergeburtslehre besteht substantiell kein Unterschied.

Dass im Anschluss an die Taufe die Hände aufgelegt wurden, um den Heiligen Geist zu empfangen, kommt noch einmal in Apg 19,6 vor. In der frühen Kirche gehörte es zum Taufritus dazu und so machte man einen bewussten Unterschied zwischen der Wassertaufe und der Geistestaufe, was einerseits Sinn macht, aber ebenso „magisch-sakramental“ missverstanden werden kann. Also muss man trotz der prinzipiellen Zusage aus Eph 1,13 und Apg 2,38 dennoch demütig und offen für die Möglichkeit bleiben, dass manchmal der Heilige Geist vorenthalten wurde. Dann ist keine erneute Taufe nötig, sondern nach dem Beispiel der Apostel, Gebet mit Handauflegung.

Eines scheint mir ziemlich naheliegend: Je oberflächlicher wir in der Lehre und unserer Taufpraxis sind, desto wahrscheinlicher sind unvollständige Bekehrungen. Ich halte es für unweise, wenn bei der Taufe nicht um den Heiligen Geist gebetet wird, denn Jakobus sagt: „Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet“ (Jak 4,2). Gott sei Dank ist Gott gnädiger und zuvorkommender als wir es verdienen und achtet weniger darauf, dass wir alles richtig machen, sondern auf die Aufrichtigkeit unseres Herzens. Nichtsdestotrotz sollten wir sorgfältiger sein.

 

Die Taufe ist der normale Weg der Bekehrung

 (Apg 8,36+38)  Als sie aber auf dem Wege fortzogen, kamen sie an ein gewisses Wasser. Und der Kämmerer spricht: Siehe, da ist Wasser; was hindert mich, getauft zu werden? … Und er hieß den Wagen halten. Und sie stiegen beide in das Wasser hinab, sowohl Philippus als der Kämmerer; und er taufte ihn.

Als Philippus dem Kämmerer aus dem Propheten Jesaja heraus das Evangelium vom Herrn Jesus eröffnete, hat er wohl auch von der Taufe geredet. Der Kämmerer reagierte jedenfalls auf die Botschaft mit dem Wunsch, unverzüglich getauft zu werden.

In den meisten Freikirchen ist die Bekehrung von Taufe entkoppelt, weshalb man bei der Verkündigung des Evangeliums die Taufe nicht erwähnt, und jene, die Jesus aufnehmen wollen, dementsprechend auch gar nicht um die Taufe bitten. Oft erst Monate oder gar Jahre später werden sie auf die Taufe hin angesprochen, nachdem ihnen bereits aufgrund ihres Glaubens und Übergabegebets sämtliche Verheißungen des Heils zugesagt wurden. Damit ist die Taufe tatsächlich entkoppelt von der Bekehrung und – in letzter Konsequenz – sinnentleert worden.

Stattdessen zeigen sämtliche Bespiele in der Apostelgeschichte, dass schnell getauft wurde. Sobald jemand bereit war, dem Herrn sein Leben anzuvertrauen, wurde er getauft. Die Taufe der Schrift ist daher Vollzug der Bekehrung.

 

 

 

Die Taufe ist ein Muss im Bekehrungsprozess

 (Apg 10,44-48)  Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, so viele ihrer mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich, dass auch auf die Nationen die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen worden war; denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott erheben. Dann antwortete Petrus: Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, dass diese nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und er befahl, dass sie getauft würden in dem Namen des Herrn. Dann baten sie ihn, etliche Tage zu bleiben.

Im Haus des Kornelius wich Gott von der Reihenfolge in Apg 2,38 ab, indem der Heilige Geist bereits vor der Taufe kam. Indem die Bekehrung aber ein Gesamtpaket ist, spielt die genaue Reihenfolge innerhalb des Ganzen eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass alle wesentlichen Elemente vorhanden sind. Für Petrus und seine Begleiter war der wahrnehmbare Geistesempfang ein notwendiges Zeichen zur Erkenntnis, dass auch unbeschnittene Heiden von Gott errettet werden. Weil sie das sahen, erkannten sie, dass Gott keinen Unterschied zwischen Heiden und Juden macht. Deshalb befahl (!) Petrus deren Taufe. An allen übrigen Stellen im Neuen Testament wird dieses Wort für ein Gebot Gottes an Menschen verwendet (prostasso – Mt 1,24; 8,4; Mk 1,44; Lk 5,14; Apg 10,33; Apg 17,26) – es ist also ein starkes Muss.

Wer daher vorschnell sagt, Cornelius und die seinen waren bereits vor der Taufe errettet, verkennt, dass die Bekehrung ein Prozess ist, der mehrere Aspekte umfasst, die erfüllt sein müssen (!). Freilich, hätte kurz vor der Taufe der Blitz eingeschlagen und alle getötet, wäre niemand deswegen verloren gegangen – schließlich fällt ja auch kein Küken aus dem Nest ohne Wissen des Vaters. Er gibt nicht den heiligen Geist, nur um dann zu sagen: „Ihr wart nicht schnell genug beim Wasser. Pech gehabt.“ Wer jedoch die Taufe mutwillig aufschiebt, obwohl er darauf angesprochen wurde, und aus dem Leben gerissen wird, dem kann man nicht ohne weiteres das Heil zusagen. Das liegt in Gottes Hand, doch die Bekehrung war aufgrund von Ungehorsam unvollständig.

Nochmals: Wozu dient die Taufe? Zur Vergebung der Sünden. Dass sie den Heiligen Geist empfangen haben, hat prinzipiell nichts mit der Vergebung zu tun. Die Umkehr, die Buße, die Bekehrung wird in der Taufe vollzogen. Das konnte Petrus dem Haus des Kornelius nicht erlassen, denn die Taufe ist ein Gebot.

 

Die Taufe ist der normale Schritt Bekehrung

(Apg 16,14-15) Und ein gewisses Weib, mit Namen Lydia, eine Purpurkrämerin aus der Stadt Thyatira, welche Gott anbetete, hörte zu, deren Herz der Herr auftat, dass sie achtgab auf das, was von Paulus geredet wurde. Als sie aber getauft worden war und ihr Haus, bat sie und sagte: Wenn ihr urteilet, dass ich dem Herrn treu sei, so kehret in mein Haus ein und bleibet. Und sie nötigte uns.

Wie auch beim Äthiopischen Kämmerer ist die Taufe der ganz normale Vollzug der Bekehrung. Das Wort wird gepredigt, der Geist bewirkt eine Offenheit, die Frau nimmt die Botschaft an, wird getauft und dem Herrn treu (vollzogene Umkehr).

Wieder ist es eine Sache, die schnell geschieht, weil die Taufe ganz selbstverständlich Teil der Verkündigung ist. Das ist auch deshalb logisch, da die Evangelien ja die Grundlage der Verkündigung sind, und diese schließen mit dem Aufruf zu Umkehr und Taufe im Missionsbefehl ab. Wenn wir nicht die Taufe zur Vergebung der Sünden predigen, dann predigen wir zwar Vergebung, aber nicht, wie diese Vergebung für den einzelnen wirksam wird.

 

Die Taufe gehört zum Gläubigwerden

(Apg 16,30-33)  Und er führte sie heraus und sprach: Ihr Herren, was muss ich tun, auf dass ich errettet werde? Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus. Und sie redeten das Wort des Herrn zu ihm samt allen, die in seinem Hause waren. Und er nahm sie in jener Stunde der Nacht zu sich und wusch ihnen die Striemen ab; und er wurde getauft, er und alle die Seinigen alsbald.

Gerne zitiert man den Vers „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden“, um zu zeigen, dass es nur auf den Glauben ankomme. Doch ein paar Zeilen weiter wird deutlich, wie der Kerkermeister gläubig wurde: Er hörte das Wort und ließ sich taufen. Es ist eine Einheit, die ganz im Einklang mit Mk 16,16 steht. Beides gehört zum Bekehrungsprozess, beides ist – gemeinsam mit den anderen Elementen – heilsvermittelnd.

 

Glaube und Taufe gehören zusammen

(Apg 18,8)  Krispus aber, der Vorsteher der Synagoge, glaubte an den Herrn mit seinem ganzen Hause; und viele der Korinther, welche hörten, glaubten und wurden getauft.

Mittlerweile ist es vielleicht schon etwas langatmig, und doch ist es so wichtig zu sehen, wie immer und immer wieder Glaube und Taufe als Einheit dargestellt werden. Nicht, indem extra darauf hingewiesen würde, sondern in beiläufiger Selbstverständlichkeit! So wie man das Geräusch einer Uhr mit tick-tack wiedergibt, und das Tick nicht ohne Tack sein kann, so gehören Glaube und Taufe zusammen. Wie macht die Uhr? Tick-Tack. Wie wird man gerettet? Glaube und Taufe.

 

Die Taufe gehört zum Weg Gottes

(Apg 18,24-26)  Ein gewisser Jude aber, mit Namen Apollos, aus Alexandrien gebürtig, ein beredter Mann, der mächtig war in den Schriften, kam nach Ephesus. Dieser war in dem Wege des Herrn unterwiesen, und, brünstig im Geist, redete und lehrte er sorgfältig die Dinge von Jesu, wiewohl er nur die Taufe Johannes' kannte. Und dieser fing an, freimütig in der Synagoge zu reden. Als aber Aquila und Priscilla ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes genauer aus.

Apollos, der den Geist hatte und von Gott bereits segensreich verwendet wurde, wurde dennoch beiseite genommen. Er kannte nur die Johannestaufe, und das ist nicht ausreichend. Es ist ein Makel, nicht getauft zu sein.

Man kann also nicht sagen, dass jemand, der seit Jahren im Dienst des Herrn steht ohne getauft zu sein, der Taufe nicht bedürfe. Die Bekehrung war unvollständig, doch Gott kam dem aufrichtigen Willen zur Nachfolge auch bei unzureichender Erkenntnis gnädig entgegen. Dennoch brachte er Apollos mit Aquila und Priscilla zusammen, damit diese ihm den Weg Gottes (!) genauer auslegten. Gott kann damit umgehen, wenn wir auf diesem Weg langsamer unterwegs sind, aber wir können keinen Wegabschnitt einfach auslassen. Dass Apollos getauft wurde, steht zwar nicht ausdrücklich da; da aber die Jünger in Ephesus, die nur die Johannestaufe kannten, von Paulus getauft wurden, ist es vorauszusetzen, dass auch die Mitarbeiter des Paulus bei Apollos die Taufe nachholten.

 

Nur die Taufe im Namen Jesu Christi hat die Verheißung des Geistes

(Apg 19,1-6)  Es geschah aber, während Apollos in Korinth war, dass Paulus, nachdem er die oberen Gegenden durchzogen hatte, nach Ephesus kam. Und er fand etliche Jünger und sprach zu ihnen: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid? Sie aber [sprachen] zu ihm: Wir haben nicht einmal gehört, ob der Heilige Geist da ist. Und er sprach: Worauf seid ihr denn getauft worden? Sie aber sagten: Auf die Taufe Johannes'. Paulus aber sprach: Johannes hat mit der Taufe der Buße getauft, indem er dem Volke sagte, dass sie an den glauben sollten, der nach ihm käme, das ist an Jesum. Als sie es aber gehört hatten, wurden sie auf den Namen des Herrn Jesus getauft; und als Paulus ihnen die Hände aufgelegt hatte, kam der Heilige Geist auf sie, und sie redeten in Sprachen und weissagten.

Als Paulus die Jünger traf, dürfte ihm etwas seltsam vorgekommen sein. Es ging dabei wahrscheinlich nicht um den Glauben an den Sohn Gottes, denn sonst wären diese Männer nicht als Jünger bezeichnet worden. Sie bildeten eine Gemeinschaft, sie bemühten sich offenbar nach den Lehren Christi zu leben. Doch offenbar nicht aufgrund apostolischer Unterweisung. Möglichweise sind sie mit der Botschaft Christi vor Pfingsten bekannt geworden, oder durch Menschen, die ihnen von Jesus erzählten, aber nicht vollständig. Im Prinzip ist es gar nicht so wichtig, die Gründe zu wissen.

Paulus bemerkte etwas, das ihn zu der Frage veranlasste, ob sie den Heiligen Geist empfangen hatten, nachdem sie gläubig geworden waren. Die nahe liegende Stelle, die uns sofort einfällt ist Eph 1,13: „Aha! Wir empfangen den Geist, wenn wir gläubig werden, nicht in der Taufe.“ Nun aber stellt Paulus eine weitere Frage: „Worauf seid ihr getauft worden?“ Merken wir, dass Paulus nicht etwa den Glauben infrage stellt, sondern die Taufe? Aber so seltsam ist das nicht, denn – tick-tack – gläubig werden und getauft werden gehören zusammen. Auch in Eph 1,13 (obwohl es nicht ausdrücklich dasteht).

Die Taufe des Johannes vermittelt nicht den Heiligen Geist. Wie wir gesehen haben, hatte Apollos Ihn dennoch. Das ist wichtig festzuhalten: Auch wenn es einen „normalen Weg“ des Heils gibt, so kann es im Rahmen des Bekehrungsprozesses zu Umstellungen in der Reihenfolge kommen, oder der Prozess kann verzögert und unterbrochen werden. Paulus tauft nun die Jünger auf den Namen Christi und legt ihnen die Hände auf, damit sie den Heiligen Geist empfingen. Nichts deutet darauf hin, dass es bei der Taufe Probleme mit dem Heiligen Geist gegeben hätte. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Handauflegung hier erwähnt wird, weist eher darauf hin, dass dies die normale Taufpraxis war, die hier bloß (um diesen Aspekt) ausführlicher berichtet wurde als sonst. Der Heilige Geist kam auf die Jünger herab, ganz entsprechend der Verheißung in Apg 2,38.

 

Die Taufe ist das Abwaschen der Sünden unter Anrufung des Namens des Herrn

(Apg 22,16)  Und nun, was zögerst du? Stehe auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen, indem du seinen Namen anrufst.

Diese Stelle, die letzte Taufstelle in der Apostelgeschichte, ist besonders wichtig, weil Paulus hier seine eigene Taufe beschreibt. Er beschreibt sie als ein „Abwaschen der Sünden“, was dieselbe Bedeutung hat wie „zur Vergebung der Sünden“, nur dass der Aspekt des Wassers sinnbildlich verstärkt wird.

Verbunden ist die Taufe mit der Anrufung Seines Namens. Damit wird auch die Verheißung aus Joel (Joel 3,5), die Petrus in der Pfingstpredigt (Apg 2,21) und Paulus im Römerbrief zitiert (Röm 10,13) in den Zusammenhang der Taufe gestellt. Das ist stimmig. Petrus zitiert Joel in der Pfingstpredigt, doch als die Leute ihn fragen, was sie nun tun sollten, zitierte er nicht einfach noch einmal Joel 3,5, sondern redete von der Taufe auf den Namen Christi. Wenn Paulus seine eigene Taufe beschreibt, so verbindet er das Anrufen seines Namens ebenso mit der Taufe.

Wie ruft man nun den Namen des Herrn an? Indem man sich im Namen des Herrn taufen lässt. Natürlich ist das nicht die einzige Antwort, denn natürlich meint das Wort „anrufen“ beten; doch welche Taufe wird ohne Gebet vollzogen? Es ist aber wichtig zu sehen, dass keiner der Apostel, wenn es um die Bekehrung geht, von einem Übergabegebet redete, sondern von der Taufe. Und diese Taufe ist ein Abwaschen der Sünden aufgrund des Opfers Christi. Die Taufe ist in diesem Sinne absolut heilsvermittelnd und ein unverzichtbarer, notwendiger Teil des Bekehrungsprozesses.

 

Zusammengefasst

Nach dem durchgehenden Zeugnis der Apostelgeschichte ist die Taufe Teil des Bekehrungsprozesses. In der Taufe wird die Vergebung der Sünden, die am Kreuz durch Christi Blut vollbracht wurde, persönliche Wirklichkeit. Die Taufe ist deshalb, gemeinsam mit den anderen Elementen biblischer Bekehrung, heilsvermittelnd. Die Verheißung des Geistes ist eng an die Taufe gebunden, wobei wir nicht magisch-sakramental über den Geist verfügen; weder in Form einer Taufwiedergeburtslehre, noch in Form einer Übergabegebetswiedergeburtslehre.

 

Die Taufe als Vollzug der Wiedergeburt:

Briefe – Teil 1

In den Briefen wird über die Taufe reflektiert, die in der Apostelgeschichte einfach beschrieben wird. Die Lehre der Taufe wird dadurch noch um Einiges tiefer erfasst.

 

Die Taufe macht uns eins mit Tod und Auferstehung Christi

(Röm 6,3-6)  Oder wisset ihr nicht, dass wir, so viele auf Christum Jesum getauft worden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod, auf dass, gleichwie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, also auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. Denn wenn wir mit ihm einsgemacht worden sind in der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch in der seiner Auferstehung sein, indem wir dieses wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, auf dass der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen.

Eingebettet ist die Taufe hier in die Auseinandersetzung um Gesetz und Gnade (Kapitel 2-8). Das Problem des Gesetzes ist unsere sündhafte Natur. Das Gesetz ist zwar gut, aber aufgrund unserer gefallenen Natur können wir es nicht erfüllen. Jetzt kommt uns die Gnade einerseits entgegen, indem sie uns alle Sünden vergibt; doch darüber hinaus beseitig sie die Ursache der Sünde, indem wir durch den Heiligen Geist eine Neue Natur bekommen, in der wir Gottes Willen erfüllen können (Röm 8,1-4).

Wie wir diese neue Natur erhalten, wird hier in Römer 6 beschrieben: In der Taufe werden wir einsgemacht mit Tod und Auferstehung Christi. Wohlgemerkt, Paulus sagt nicht, dass die Taufe unseren Tod und unsere Auferstehung mit Christus bloß symbolisiere! Vielmehr ist die Taufe der Vollzug jener Verwandlung, die an anderen Stellen Wiedergeburt genannt wird. Das fügt sich harmonisch in die Verheißung aus Apg 2,38 und beschreibt den „normalen Weg“.

 

Die Taufe macht uns zu Gliedern am Leib Christi

(1.Kor 12,13)  Denn auch in einem Geiste sind wir alle zu einem Leibe getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geiste getränkt worden.

In Apg 2,41 heißt es, dass die, welch sich taufen ließen, der Gemeinde hinzugetan wurden. Diese Aussage steht auch hinter 1.Kor 12,13. Der „normale Weg“ führt über die Taufe zur Vergebung der Sünden und der neuen Geburt, die uns zu Gliedern am Leib Christi macht.

Die Taufe mit Wasser ist also eng mit der Geistestaufe verbunden. Viele meinen, dass Paulus hier nur von der Geistestaufe spricht. Da frage ich aber zurück, in welchem Zusammenhang der Geist verheißen wird? Damit kommen wir wieder zur Wassertaufe zurück, sodass das Auseinanderdividieren von Wasser- und Geistestaufe uns nur im Kreis schickt. Noch mal: Es geht um einen Bekehrungsprozess, dessen Elemente alle von uns erfüllt sein müssen. Dabei sind die einzelnen Teile eng mit einander verbunden und auch verflochten, weshalb es keinen Sinn macht, sie aufspalten zu wollen.

In der Praxis ist es auch in den meisten Freikirchen so, dass man erst mit der Taufe Glied der Ortsgemeinde wird. Wenn Paulus hier vom Leib Christi spricht, meint er auch die Ortsgemeinde – es wäre also auch aus unserer Praxis heraus ganz unnatürlich, die Wassertaufe hier auszublenden. Das Zusammenspiel von Wasser- und Geistestaufe bestätigt aber auch die enge Verbindung von Taufe und Wiedergeburt, die in Röm 6 und anderen Stellen beschrieben wird.

 

In der Taufe ziehen wir Christus an

(Gal 3,27)  Denn so viele euer auf Christum getauft worden sind, ihr habt Christum angezogen.

Auch das ist eine Möglichkeit, die Wiedergeburt zu beschreiben. Wir bekommen eine neue Natur, die Natur Christi. Das ist untrennbar mit der Taufe verbunden.

 

Die Taufe ist Beschneidung und neues Leben

(Kol 2,11-12)  in welchem ihr auch beschnitten worden seid mit einer nicht mit Händen geschehenen Beschneidung, in dem Ausziehen des Leibes des Fleisches, in der Beschneidung des Christus, mit ihm begraben in der Taufe, in welcher ihr auch mitauferweckt worden seid durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat.

Paulus verbindet die Taufe hier mit zwei Beschreibungen. Zum einen wiederholt er, was er auch in Röm 6 sagte: In der Taufe sind wir gestorben und mitauferweckt worden. Er sagt nichts von Symbol oder Darstellung, vielmehr ist es die Wirkung der Taufhandlung.

Das zweite bezieht sich auf die Beschneidung des Christus, also die Beschneidung unserer Herzen durch den Heiligen Geist. Auch das ist eine Art, die Wiedergeburt zu beschreiben, und deshalb ist die Nähe zur Taufe nachvollziehbar.

 

Die Taufe ist die Bitte um ein gutes Gewissen

(1.Petr 3,21)  welches Gegenbild auch euch jetzt errettet, das ist die Taufe (nicht ein Ablegen der Unreinigkeit des Fleisches, sondern das Begehren eines guten Gewissens vor Gott), durch die Auferstehung Jesu Christi,

Ganz unverblümt sagt Petrus, dass die Taufe rette. Warum? Sie ist die Bitte um ein gutes Gewissen, es geht also wieder um die Vergebung der Sünden. Die Grundlage dafür ist nicht das Wasser, sondern die Auferstehung (!) Christi. Vielleicht hätten wir den Tod Christi hier erwartet, Sein Blut, doch die Auferstehung wird genannt. Das hat den Grund, dass die Auferstehung Christi Voraussetzung unserer Wiedergeburt ist. Es geht im Evangelium nicht nur um die Vergebung der Sünden, sondern um die Befreiung von der Macht der Sünde. Dazu brauchen wir die neue Geburt durch den Heiligen Geist.

 

Zusammenfassung

Diese direkten Stellen über die Taufe sprechen alle ein und dieselbe Sprache: Taufe und Wiedergeburt gehören zusammen. Die Taufe ist der Vollzug der Wiedergeburt. Es gibt keine Aussage über die Taufe, die dies in irgendeiner Weise abschwächt oder schmälert.

 

Die Taufe als Reinigung:

Briefe – Teil 2

Neben den eindeutigen Stellen, gibt es eine Reihe an Stellen, deren  Bezug zur Taufe oft bestritten wird. Auf der Basis des bisher Gesagten wird jedoch klar werden, dass sie nur im Zusammenhang mit der Taufe sinnvoll verstanden werden können.

Vorausschickend eine Stelle aus dem Johannes-Evangelium:

 

Die Taufe ist ein Akt der Reinigung

(Joh 3,22-26)  Nach diesem kam Jesus und seine Jünger in das Land Judäa, und daselbst verweilte er mit ihnen und taufte. Aber auch Johannes taufte zu Änon, nahe bei Salim, weil viel Wasser daselbst war; und sie kamen hin und wurden getauft. Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen. Es entstand nun eine Streitfrage unter den Jüngern Johannes' mit einem Juden über die Reinigung. Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Rabbi, der jenseit des Jordan bei dir war, dem du Zeugnis gegeben hast, siehe, der tauft, und alle kommen zu ihm.

Man kann sich vorstellen, dass es die Zeitgenossen von Jesus verwirrt hat, als plötzlich zwei Gruppen mit einer sehr ähnlichen Botschaft tauften: Jesus mit Seinen Jüngern und Johannes mit Seinen Jüngern. Es kam also zu einer Streitfrage zwischen Jüngern des Johannes und einem Juden über die Reinigung. Was ist damit gemeint? Die üblichen Reinigungsriten der Juden? Nein, der Zusammenhang ist eindeutig: Die Taufe wurde als Reinigung bezeichnet.

Damit wird bestätigt, dass die Taufe mehr als ein symbolischer Akt ist. Sie verheißt und vermittelt Reinigung, Vergebung der Sünden.

 

 

Die Taufe ist ein Abwaschen von Sünden

(1.Kor 6,11) Und solches (diverse Sünder) sind euer etliche gewesen; aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen des Herrn Jesus und durch den Geist unseres Gottes.

Wie auch Paulus selbst seine Taufe als ein Abwaschen von Sünden umschrieb, bezeichnet er die Korinther als solche, deren Sünden abgewaschen sind. Drei Zeitwörter verwendet er, die allesamt Aspekte unserer Rettung beschreiben. „Abgewaschen“ bezieht sich auf die Taufe, „geheiligt“ bezieht sich auf unsere Absonderung für Gott, „gerechtfertigt“ auf unsere neue Stellung im Glauben. All das geschieht durch den Namen Christi, auf den wir getauft sind, und den Heiligen Geist, der uns in der Taufe bzw. im Anschluss an dieselbe geschenkt wurde.

Lässt man die Taufe weg, muss man das „abwaschen“ anders auslegen, viel metaphorischer. So aber ist der Bezug zum Wasser der Taufe natürlich, und es fügt sich in die übrigen Aussagen über die Taufe.

 

Die Taufe ist ein reinigendes Wasserbad durch das Wort

(Eph 5,26)  auf dass er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort,

Was bei dieser Stelle wichtig ist, ist die griechische Zeitform der Verben. „Heiligte“ ist ein aorist, „reinigend“ ein partizip aorist. Beide Verben beziehen sich auf dasselbe einmalige Ereignis. Es geht also um eine einmalige Heiligung und Reinigung, die als ein „Wasserbad durch das Wort“ beschrieben wird.

Die Auslegung des Wasserbads als Taufe ist in diesem Zusammenhang notwendig, denn welches andere einmalige Ereignis heiligt, reinigt und hat mit Wasser zu tun? Das Wort Gottes, die Botschaft des Evangeliums, verleiht der Taufe die Autorität und inhaltliche Bestimmung, dennoch ist die Taufe der Akt der Reinigung, nicht das Hören des Wortes.

Ein interessanter Aspekt: Christus ist der Handelnde in der Taufe. Er reinigt und heiligt uns.

 

Die Taufe ist die Waschung der Wiedergeburt

(Tit 3,5) errettete er uns, nicht aus Werken, die, in Gerechtigkeit vollbracht, wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes,

Wieder haben wir das Wort „waschen“, diesmal in Verbindung mit der Wiedergeburt. Da die Taufe mit der Wiedergeburt so eng verbunden ist, ist der Begriff „Waschung“ nur als Taufe sinnvoll zu deuten.

Da die Taufe der Vollzug der Wiedergeburt ist, findet auch der Empfang des Heiligen Geistes hier statt, der uns erneuert.

 

Zusammenfassung

Auch diese im Allgemeinen umstrittenen Verse fügen sich bestens ins Gesamtbild ein, wenn man die Begriffe Reinigung oder Waschung auf die Taufe bezieht. Der natürliche Zusammenhang von Wasser und Reinigung legt dies nahe, aber auch die Verwendung dieser Begriffe in Stellen, die eindeutig von der Taufe reden.



Schlusswort

Die vielen Wiederholungen in den vorangegangen Seiten machen ein Schlusswort bzw. eine weitere Zusammenfassung eigentlich unnötig. Die Taufe ist Teil des Bekehrungsprozesses wie die Umkehr, der Glaube, das Bekenntnis oder das Gebet – mit der Taufe verbunden sind die Verheißung der Vergebung und Wiedergeburt. Dennoch nicht losgelöst vom Rest des Bekehrungsprozesses. Wir können ebenso wenig einen Teil davon herausnehmen und absolut setzen – „Glaube allein“ – wie wir einen Teil davon herausstreichen können: „Die Taufe ist nicht heilsnotwendig“.

Es ist ein Gesamtpaket. Wir können aus einem Auto auch nicht die Kupplung ausbauen, weil wir der Meinung sind, die sei nicht notwendig. Ebenso wenig dürfen wir die Taufe gering schätzen. Sie ist – im Zusammenhang mit dem Rest – heilsvermittelnd und deshalb auch heilsnotwendig. Etwas anderes zu lehren ist ein gefährliches Spiel mit den Seelen der Menschen.