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Wie viel ist genug?
Über die Beichte und die Buße
In regelmäßigen Abständen empfiehlt die katholische Kirche zur Beichte zu gehen. Das ist gut so, denn im Lauf des Alltags sammeln sich ja allerlei größere und kleinere Sünden an. Da ist es gesund, einmal innezuhalten, das Gewissen zu erforschen und alles wieder zu bereinigen.
Dafür gibt es das Sakrament der Buße. Man geht also zum Priester und beichtet alle Missetaten. Der wiederum hört aufmerksam zu, spricht die Vergebung Gottes zu und legt eine Buße auf.
Haben Sie sich je gefragt, warum? Warum wird einerseits die Schuld vergeben, andererseits eine Strafe auferlegt?
Das liegt daran, dass zwischen Sünde und Schuld unterschieden wird. Das klingt jetzt etwas kompliziert, ist aber im Grunde ganz einfach. Wenn man eine Scheibe einschlägt, kann der Geschädigte zwar die Freundschaft aufrechterhalten, der Schaden muss jedoch beglichen werden. Es gibt also sowohl Vergebung als auch Wiedergutmachung.
Für die Vergebung ist Jesus am Kreuz gestorben, für die Wiedergutmachung muss der Sünder aufkommen. Der Priester legt nun eine der Schuld angemessene Buße auf (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Abs 1459 & 1460).
Folgende Bußen werden in Erwägung gezogen:
Gebet
eine Gabe
Werke der Barmherzigkeit
Dienst am Nächsten
freiwilliger Verzicht
Opferbringen
geduldige Annahme des Kreuzes
Schematisch dargestellt, sieht das dann so aus: (Illustration)
Wissen Sie, ich glaube das nicht.
Darf ich Ihnen ein paar Fragen dazu stellen?
Eine eingeschlagene Fensterscheibe hat einen klar definierten Preis. Wie berechnet man aber eine Lüge? Oder einen Ehebruch? Wie berechnet man eine Unterlassungssünde?
Ist es nicht so, dass jeder Priester die Buße verschieden “berechnet”? Bei dem einen “kostet” ein Vergehen 10 Vater Unser, bei einem anderen 15.
Wann kann man wissen, dass eine Schuld (endlich) beglichen ist? Wie kann man wissen, wie viel nach dem Tod noch übrig bleibt zum “Nachsitzen”?
Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Bußen, die der Priester auferlegt und den Sünden?
Angenommen, ich beichte einen Ladendiebstahl. Legt die Strafe hier nicht der Gesetzgeber auf? Büße ich dafür nicht durch eine Geldstrafe oder Freiheitsentzug?
Was steht aber zwischen Gott und dem Sünder?
Wie ist das aber, wenn Gott vergibt? Ist Gott so wie der, dem man die Scheibe eingeschlagen hat, der den Schaden auf Heller und Pfennig ersetzt haben will? Sagt Gott: “Ich vergebe dir, da hast du den Zahlschein; aber pronto, sonst gibt es Verzugszinsen!”??
Was könnten wir Ihm, der doch alles hat und alles regiert, als Wiedergutmachung anbieten?
Aber sind die Bußleistungen nicht trotzdem gute Werke und Übungen?
Die Liste der möglichen Bußübungen klingt gut und beeindruckend. Und wer möchte sagen, da sei etwas falsch daran?
Und trotzdem: Gebet als festgesetzte Strafe, stimmt das mit der Idee des Gebetes überein? Soll das Reden mit Gott nicht Ausdruck einer Vertrautheit mit dem Vater sein? Soll es nicht aus der Liebe kommen? Ist es wirklich Liebe, die hier dahinter-steckt, oder Furcht? Ist das Gebet hier freudig oder zähneknirschend?
Oder die guten Werke: Ohne Liebe ist das alles nichts wert, schreibt Paulus (1. Kor 13,1-3). Warum soll Gott mit äußeren Werken zufrieden sein, wenn die innere Haltung dazu falsch ist?
Das schmälert nicht die Bedeutung solcher Werke, rückt sie aber ins rechte Licht!
Der Hintergedanke:
“Auf diese Weise will die Kirche diesem Christen nicht nur zur Hilfe kommen, sondern ihn auch zu Werken der Frömmigkeit, der Buße und der Nächstenliebe anregen.” (Katechismus, Abs. 1478)
Mit anderen Worten: Wenn ein christliches Leben der Nächstenliebe schon nicht freiwillig und aus Liebe geschieht, sollen die Christen wenigstens durch auferlegte Bußen dazu gezwungen werden, solche guten Werke zu tun.
Der Weg Jesu Christi:
Als eine Sünderin zu Jesus kam, sie Seine Füße mit ihren Tränen wusch und mit ihren Haaren trocknete, sagte Er einfach: Deine Sünden sind vergeben. (Lk 7,48) Er legte ihr keine Buße auf.
Jesus geht von einer anderen Erwartung aus: Wem wenig vergeben wird, der liebt auch wenig. (Lk 7,47)
Die Frau weinte bitterlich über ihre Sünden, und sie warf sich vor dem Heiland zu Boden, von dem sie Vergebung erhoffte. Hat sie Ihn reden hören? Hat sie vernommen, dass Er am liebsten bei den Sündern sitzt? Dann war Jesus die richtige Adresse für sie!
Sie ging nicht wie ein Sünder zum Priester, in der Erwartung jetzt eine dicke Strafe aufgebrummt zu bekommen. Sie ging zu Jesus, dem Freund der Sünder.
Die Rechnung Jesu ist einfach: Wenn jemand wirklich traurig ist über sein verpfuschtes Leben, wenn Fehltritte und Sünden zu einem Problem geworden sind - Er vergibt einfach alles. Er verlangt keine weiteren Leistungen, Er spricht völlig frei.
Er sagt sich: Wem viel vergeben worden ist, der liebt auch viel. Und das ist das genaue Gegenteil dessen, was die katholische Kirche mit der Buße bezweckt!
Wie viel ist nun genug?
“Jesus ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt.” (1. Joh 2,2)
Was Jesus am Kreuz getan hat, ist Vergebung und Sühnung in einem. Er leistete auch die Wiedergutmachung um eine persönliche und unmittelbare Beziehung mit Gott zu ermöglichen:
“Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und dem Menschen, der Mensch Jesus Christus, der sich selbst als Lösegeld für alle gab.” (1. Tim 2,5+6)
Jesus ist der Ansprechpartner für Sünder. Man braucht also keinen Termin bei einem Priester, keinen Beichtstuhl - auch keine Strafen:
“Die Strafe lag auf IHM zu unserem Frieden.” (Jes 53,5)
Das macht die Gnade Gottes nicht etwa billig. An vielen Wegrändern stehen Kruzifixe, die uns daran erinnern, was Jesus durchmachen musste, um unsere Sünden zu vergeben.
Wenn uns diese Hingabe bewusst wird, dann verstehen wir erst, wie schwerwiegend unsere Sünden sind. Dann begreifen wir aber auch, wie sehr Gott uns liebt, dass Er uns auf diesem Weg befreit hat.
Sollte unser Herz darauf keine Antwort wissen?
Hinkehr zur Vergebung der Sünden bedeutet auch Abkehr von der Sünde. Was als falsch erkannt wird, kann doch unmöglich unser weiteres Leben beherrschen dürfen! Natürlich bedeutet der Glaube an die Vergebung Jesu ein Leben in Seiner Liebe, um gute Werke zu vollbringen: Aus Liebe - nicht aus Furcht.